#10 Retreat im Allgäu

Laufe nicht der Vergangenheit nach und verliere Dich nicht in der Zukunft. Die Vergangenheit ist nicht mehr. Die Zukunft ist noch nicht gekommen. Das Leben ist hier und jetzt. (Buddha)

Es ist geschafft. Mein erstes Retreat, sieben Tage ein Qi Gong Seminar auf einer Alm im Allgäu verbringen. Wir waren 15 Personen aus Deutschland und der Schweiz, haben viel über den Daoismus, Buddhismus, Grundlagen des Qi Gongs und Tai Chi Qi Gong gelernt, viel Handwerkszeug mit bekommen, die überragende vegetarische Küche genossen und einiges an Inspiration fürs Leben durch die Meisterin erfahren. Ich bin mit dem Zug angereist, Tag 2 der Chemo hiess bitte mit Mundschutz. Eine spezielle Erfahrung, die meisten Menschen denken ja, dass der Mensch mit Mundschutz ansteckend ist und nicht der Andere für den mit Mundschutz gefährlich.

Am Tag vorab hatte ich noch die Spritze  zur Stärkung des Immunsystems bekommen. Daher war es möglich die Woche nach der vierten EC im Allgäu gut zu überstehen. Es hat gut gewirkt und ich bin im Ganzen fit geblieben. Natürlich gab es Muskelschmerzen, Schwäche und auch drei Mal diesen einen Moment. Der Moment, wo ich mich hinlegte um zu schlafen. Im Großen und Ganzen konnte ich fast alles mitmachen.

Die ersten drei Tage im Retreat konnte ich auch die Krankheit gut verbergen  -  allein mit Lola geht das meist spitze. Aber spätestens ab Mitte der Woche musste ich mich dem beugen. Ich habe mir einen großen Kratzer am Hinterkopf geholt, daher hat Lola mehr und mehr gedrückt - so dass ich irgendwann nur noch mit Mütze da saß. Nun ja, vier Mal würde ich daraufhin angesprochen. Was ist nicht gelungen? ich habe es nicht geschafft, sieben Tage nur mit mir zu sein. Ich habe es mal hinbekommen zu schweigen, mal am Schweigetisch zu sitzen und zu ruhen, bei den Übungen mitzuwirken  -  aber wirklich gar nicht zu socializen -  eine wahrliche Herausforderung und Hut ab vor denjenigen, die das können.

Am Donnerstag bin ich hochmütig geworden und wohl auch respektlos gegenüber der Meisterin, die Zunge sass zu locker, ich wurde dann berechtigt zusammengefaltet und war wieder das verletzte Kind, welches sich eingeschnappt auf seine Insel verzieht. Es ist wirklich nicht einfach bei sich zu sein und auch nicht leicht an sich zu arbeiten. Am Freitag dagegen, kamen viele Erinnerungen an meine Kindheit hoch, viele Momente, wie ich im Garten meiner Uroma spielte, unbefangen Blumen pflückte, am Tisch mit den Eltern saß oder auch mit meinem Großvater Kastanienpüree machte.

Am Samstag wurde ich dann unruhiger, konnte ewig nicht einschlafen - bis ich am Sonntag aufwachte und das Gefühl hatte, dass eine weiße Taube in meinem Zimmer über meinem Kopf die Flügel schlägt. Mein Projekt "Die innere Reise zu mir" ist recht beschwerlich. Ich bin mir noch nicht sicher, wie ich damit weiterfahre -  ich lasse es einfach erstmal laufen, in einer Woche gehe ich nochmals auf die Erfahrungen vom Retreat ein.


Jedes Leben hat sein Maß an Leid. Manchmal bewirkt eben dieses unser Erwachen. (Buddha)

Heute ist ein sehr wichtiger Tag. Ich erwarte die Auswertung vom Gentest. Zu dem Termin möchte ich nicht alleine hin, ich hoffe, dass Henni dabei sein kann. Dieser Termin wird entscheiden, wie meine weitere Behandlung vorangeht. Brüste aushöhlen und Silikon, dafür keine Bestrahlung, Carboplatin neben Taxol im zweiten Teil der Chemo  -  oder brusterhaltende OP, Bestrahlung und die Chemo mit Taxol  -  das hiesse, wie geplant weiterzumachen. Morgen schauen wir wieder, wie die Chemo wirkt, ob die Tumore weiter geschrumpft sind. Nächste Woche treffe ich den Chefarzt um die Brustop und sämtliches weiteres Vorgehen zu besprechen. Ihr seht, ich bin gut beschäftigt. Vom Gewicht habe ich wieder gut zugelegt -  fast wieder Ausgangslage...Nichtsdestotrotz geht es zur Ernährungsberatung, habe am Donnerstag Termin -  werde berichten und manchmal ist weniger mehr.

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Kommentare: 3
  • #1

    Susanne (Montag, 24 Oktober 2016 10:03)

    Was immer der Gentest bringt: Er zeigt ja "nur" an was andernfalls unentdeckt in Deinem Körper schmort und Unheil anrichten kann.

    Wenn man es kennt, kann man was tun. Also Kopf hoch und mutig ran! Ich erinnere mich noch, wie Du Angst vor den ECs hattest. Und jetzt sind sie geschafft. Es geht voran, siehst Du? - Schritt für Schritt... Es fühlt sich manchmal nicht so an, aber wir werden gerade GESUND!!!

    Halt durch, ich bin bei Dir!!!

  • #2

    Dana (Montag, 24 Oktober 2016 17:39)

    Susann, Du bist wundervoll, nimm es einfach nur an!
    Für Dich ist zu schweigen noch schwer, für mich ist es so wichtig wie die Luft zum Atmen, ich finde auch im Schweigen kommuniziert man, Gedanken fliessen und übertragen sich.
    Und jetzt staunst Du überhaupt Bauklötze, das ich einen Kommentar abgegeben habe, wo ich doch sonst schweige :-)

  • #3

    Conrad (Dienstag, 25 Oktober 2016 13:04)

    Hello dear. I hope all had gone well for you. You have been in my heart, soul and dreams for a very long time. Know I'm always there if you need me. Miss you're smile.

Supergirls don't cry! Aber manchmal weinen sie! Sie schluchzen und müssen auch ins Tal der Tränen! Denn da muss man manchmal hin, damit das für die alte Seele auch erträglich ist! Es ist wie ein Hamam, danach kommt man butterweich und gefestigt zurück.