#15 Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Habe Geduld, keine Windmühle läuft dem Wind nach. (unbekannt)

Nach sechs Tagen Krankenhaus bin ich wieder gut zu Hause angekommen und habe mich ausgeruht, 7 Jahre Tibet angeschaut, gelesen, gegrübelt...
Ich habe Nina und Fabi im Tambosi getroffen, zwei weitere Mitstreiterinnen im Kampf gegen den Krebs, die beide schon den Großteil hinter sich haben. Nina wird im Januar in den Job zurückkehren und Fabi ist Redakteurin, sie schreibt selbst einen Blog und beschäftigt sich in letzter Zeit mit dem Thema Brustop. Für Fabi ist das die schwierigste Entscheidung, die sie je treffen musste.
Am Samstag hatte ich vor meiner Entlassung noch ein Gespräch mit einer Ärztin und hervorragenden Operateurin in der Klinik, die ich von Anfang an kennenlernte. Sie fragte mich, wie es mir mental ginge und ich antwortete ihr, dass ich wegen der Brüste hin und her überlege und was sie mir raten würde. Sie sagte sehr schnell die subkutane Mastektomie, weil ich so jung bin. Und ob mein Arzt mit mir wegen der Eierstöcke geredet hätte? Das Gespräch war für mich nicht gut, ich bekam deutliche Angst. 
Nach dem Plausch stand ich allein am Fenster und weinte. Bisher sind diese Gedanken nicht weg, so sehr ich mich bemühe. Tagelang sah ich einen schwarzgrauen Grabstein vor mir, die Inschrift konnte ich nicht lesen und auch nicht wo er stand, nur zwei rote Gänseblümchen sah ich davor.
Bei der Krebshilfe bekam ich Ratschlag, dass ich mir eine zweite Meinung einholen sollte und ich telefonierte auch mit der Leiterin vom BRCA Netzwerk, die mir viele Hintergrundinformationen gab. Nach wie vor kann ich noch keine Entscheidung bezüglich der Brüste treffen, es ist so schwer. Die Variante meiner Mutation ist Klasse 3, also 50:50 für Krebs in mir verantwortlich. Es wird weiter geforscht und das Ergebnis kommt Ende Januar.
Ich wünsche mir so sehr gesund zu werden, gesund zu bleiben und ein glückliches Leben zu führen, so sehr - aber ich weiß auch, dass ich da jetzt durch muss.

Heute Nachmittag kam der Anruf von meiner Chemoärztin aus der Klinik. Die Chemo muss leider weiterhin geschoben werden. Ich habe sehr schlechte Leberwerte bekommen und wir müssen weiter abwarten. Es sind nun bald drei Wochen Verzug, dass ich auf die neue Chemo warte.
Habe der Meisterin geschrieben, ob ich irgendetwas seitens Qi Gong unternehmen kann. Nun sehe ich plötzlich krank aus, tiefe Augenringe und Blässe...

Werde jetzt ruhen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Susanne (Sonntag, 20 November 2016 08:55)

    Hallo Liebes :-)

    Ich weiß, bei geschobener Chemo helfen keine Grüße, keine Worte und es gibt keinen Trost.
    Meine Freundin schickte mir damals eine Postkarte:

    Read this:
    The world will not end!
    The world will not end!
    The world will not end!
    The world will not end!
    The world will not end!
    The world will not end!
    The world will not end!
    The world will not end!
    The world will not end!
    The world will not end!
    The world will not end!

    Du kannst den Grabstein bestellen, wenn Dir danach ist. Aber wie wär's als Sterbejahr direkt 2086 eingravieren zu lassen, damit hier keine Missverständnisse aufkommen???!!!

    Mach Dir bitte eins bewusst: Eine dermaßen widerliche Chemo wie EC wird heutzutage palliativ gar nicht gegeben. Die geben uns diesen Dreck, weil sie glauben, dass wir davon GESUND werden, Süße!!! Nicht vergessen!!! DAS ist die Wahrheit! Es ist widerlich und gefährlich und zum kotzen, aber die WAHRHEIT ist:
    Die Wahrscheinlichkeit, dass wir an diesem Dreck sterben, ist viel viel geringer als die, das wir es NICHT tun. Und DESHALB wird diese Phase enden, der Krebs wird weg sein - und wir noch da.
    Halt durch. Wir schaffen das!!!