#21 Im Wartemodus

Momentaufnahme

Wie soll ich sanfter sein,

In einem fremden Haus,

Wenn weder Freund noch Feind,

Die Türe öffnet draus'.

 

Wie kann ich Liebe geben,

Indem ich die Meine bin- 

alle nach Glück streben,

Und ich will nur dahin.

 

Wie kann ich wieder hoffen

Und an mich selbst glauben,

Auf Unterstützung pochen

Statt Energien zu rauben.

 

Wie kann es Erleuchtung sein

Weil ich wahre Ruhe finde 

Und ein Lächeln wieder scheint,

Vom Lebensbaum, die Rinde.

 

Susann Dez 2016, München

Wir haben wirklich alles gegeben, die Blutwerte in den Griff zu bekommen. Nina und Susanne haben das Netz nach Ernährungstipps recherchiert und Fabi ist mit mir 10000 Schritte durch den Englischen Garten gelaufen, da all das die Werte bessern soll. An dieser Stelle nochmals vielen herzlichen Dank an Euch drei für Eure Unterstützung. Zwischenzeitlich sah es gut aus, die Leukos sind auf 2700 gestiegen, noch zu wenig für Chemo, aber genug für Menschenmassen. Bin zuvor mit Mundschutz in Bus und Bahn unterwegs gewesen, gegenüber der Erfahrung im Zug 🚂 ins Allgäu im Oktober (Retreat), sind in München die Menschen recht normal damit umgegangen. Sie waren hilfsbereit und haben mich weniger schwer betrachtet, wie auf dem Land. Mittlerweile habe ich starke Knochenschmerzen bekommen, so dass ich wirklich nicht weiß, wie es aktuell aussieht. Diese Schmerzen wechseln in andere Gliedmaßen, mal im Arm, dann wieder im Bein, dann im Rücken - so dass ich das Gefühl habe, es hängt mit dem schlechten Blut zusammen.
Qi Gong verbessert mein Allgemeinbefinden und kommt jetzt öfter zum Einsatz.

Kürzlich habe ich eine etwas Neues ausprobiert. Tanztherapie. 
Die Tanztherapie war im übrigen sehr schön und mir ist auch eine Idee gekommen, was den Traum meines Ziehvaters angeht, wo er zu mir meinte: "Wir sehen uns in einem Jahr wieder, Eulchen." 
Ich möchte gerne wieder um die Welt reisen, die Füße ins Meer halten, weißen Sand betrachten, hier auf der Eulenseite schreiben und stets das Licht im Horizont sehen. Wahrscheinlich leide ich an Fernweh, also bitte nicht wundern, falls ich nächstes Jahr Gas bei meinen Reisezielen gebe. Schließlich habe ich bald 50 Tage Urlaub. 😊

Ich habe so gehofft, aber wieder wurde die Therapie abgesagt, die Thrombos sind besser geworden, aber die Leukos nicht, diese sind erneut auf 1200 gefallen. Ich bin morgen wieder in der Klinik zum Blutabnehmen. Werde fragen, ob ich Kortison nehmen kann. Das steigert auch die Leukos. 

Diese Geduld in der letzten Zeit zu erbringen stresst mich sehr... ich weine regelrecht und versuche stark zu sein, aber ich kann nichts machen und das lässt das Gedankenkarussell immer wieder laufen. Mittlerweile fällt mir die Therapie schwer und der zweite Teil umso mehr als der Erste. So gerne würde ich dadurchspazieren und hoffe weiter.

Englischer Garten

Gott, gib mir die Gelassenheit Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. (Reinhold Niebuhr)

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Kommentare: 5
  • #1

    Conrad (Dienstag, 13 Dezember 2016 20:05)

    Morning from NZ. I love the poem, one step a day. I just wish I could help feel that pain for you. You are strong and the fight is hard. Remember, I'm in your corner.

  • #2

    Susann (Dienstag, 13 Dezember 2016 20:22)

    Meine Liebe,
    ich bin in Gedanken sehr oft bei Dir und hoffe, dass es Dir bald wieder besser geht!!! Du bist so stark und ich glaube fest daran, dass es Dir gelingen wird. Keep the faith and keep on fighting y lo lograrás, estoy convencida ;-)
    Besos de Berlín

  • #3

    Franzi (Dienstag, 13 Dezember 2016 20:46)

    Deine Worte sind schmerzende Schönheit.
    Bleibe weiter stark und tapfer, so, wie du es bist!
    Fühle dich gedrückt!

  • #4

    Melli (Dienstag, 13 Dezember 2016 20:54)

    Es tut mir so leid zu lesen, dass Du immer noch warten musst, absolut nichts tun kannst außer warten und versuchen so gut es geht keine allzu negativen Gedanken zu haben. Ich wünsche mir so sehr für Dich, dass diese zusätzliche Herausforderung bald überstanden ist.

  • #5

    Susanne (Samstag, 14 Januar 2017 09:24)

    JETZT ist mir eingefallen, was ich über Dein Gedicht denke (Ich hab ja gesagt, ich muss es sacken lassen!)

    Ich denke, dass jetzt vielleicht einfach nicht der Zeitpunkt ist sanft zu sein.
    "Sanft und voller Vertrauen" klingt total passiv in meinen Ohren. Während "tough und mutig" aktiv klingt!!!
    Du bist voll drin, im Kampf Deines Lebens, Du gibst ALLES, kämpfst mit härtesten Bandagen und schenkst dem Krebs NICHTS.
    Klingt das sanft? Nein, verdammt. Das klingt stark. tapfer. mutig und wild entschlossen.
    Ich hab den Krebs mal mit einem Einbrecher verglichen, der die Wohnung ausräumt, bevor er die Bewohner umbringt. Was WIR tun ist mit dem großen Küchenmesser und der gusseisernen Bratpfanne auf einen 2-Meter-Mann losgehen, während der noch mit der Stereoanlage beschäftigt ist.

    Das klingt nicht sanft, sondern hart und brutal? Nach etwas, was man nicht möchte? Wovon man sich fragt, ob man es je verkraftet?- So ist es doch auch!!!!! Die Chemo ist eine Feuertaufe, die wir niemals vergessen werden!!!! Wenn wir blutverschmiert aber siegreich aus der Schlacht kommen, ist die Illusion von dem sanften braven kleinen Mädchen endgültig für die Tonne!!! Hier sind nur erwachsene Heldinnen, die tun was IMMER nötig ist und mit denen man sich besser NICHT anlegen sollte!!!

    Ich habe vor Jahren mal mit meinem Mann über starke Frauen gesprochen.
    "Bei den Wikingern wurden auch die Frauen an der Streitaxt ausgebildet." hat er gesagt. "Sie mussten schließlich das Haus verteidigen, wenn die Männer nicht da waren."

    Ich habe es mir in den vergangenen Monaten manchmal vorgestellt, wie ich die Streitaxt von der Wand nehme und mich dem Eindringling entgegen stelle.
    Ja, ich säße auch lieber sanft und gütig lächelnd am Feuer. Aber das Leben ist kein Ponyhof und sanft zu sein ist manchmal ein Luxus, den man sich nicht leisten kann.

    Und wenn der Einbrecher dann auf meiner Türschwelle verblutet, während ich angeschlagen, aber lebendig und hoch erhobenen Hauptes zum Verbinden gehe und irgendjemand meint, ich sei nicht sanft, sondern hart und brutal gewesen, dann kann ich nur voller Stolz sagen: "Stimmt. Staunst Du wohl, was ich alles kann?!!!"
    Und DANN mag wieder eine Zeit der Ruhe kommen. In der wir sanft sein dürfen. Und Vertrauen haben. Weil gerade keine Super-Heldinnen benötigt werden...

    Wer erzählt Dir nur immer Du solltest anders sein als Du bist? - Ich jedenfalls finde Dich gut so.