#23 Körper, Geist und Seele

Immer wieder werde ich aufgefordert den Krebs ganzheitlich zu betrachten. D.h. einen vollständigen Blick auf Körper, Geist und Seele zu legen. Es heißt, dass nur fünf Prozent aller Krebsfälle genetisch bedingt sind und eben die weiteren 95 Prozent aufgrund vieler Zufälle & Begebenheiten entstehen können. Zudem, dass jeder Mensch Tumorzellen in sich trägt und dass das Immunsystem stets so zu stabilisieren ist, dass jede Tumorzelle vom eigenen Körper besiegt werden kann, damit diese Krankheit nicht (wieder) ausbricht.
Es heißt auch, dass Krebspatienten ihr Leben im Innen wie Außen verändern sollen, ihr Immunsystem stärken und die Ursachen finden möchten, warum Krebs ausbricht. Diese hömopathische Ansicht ist schwieriger nachzuvollziehen, ich vertraue der Schulmedizin und ich nutze Qi Gong und Hömopathie begleitend- aber letztendlich muss jeder Betroffene seinen Weg finden und hoffen, dass es der Rechte ist. 
Vor acht Jahren, gab es eine weiße Flüssigkeit aus meiner Brust, damals wurde Alarm geschlagen - die Verhärtung ging wieder weg und es hieß von meinem einstigen Gynäkologen, dass ich mit 25 Jahren scheinschwanger war. Mein damaliger Freund vergnügte sich damit und fand es äußerst amüsant, dass ich nun Muttermilch für eine Zeit produzierte. Nun im Nachgang betrachtet, war das wohl ein Vorzeichen, denn es ist genau die Brust, die krank geworden ist.
 
Oft werde ich gefragt, wie ich den Knoten bemerkt habe.
Ich bin immer regelmäßig zur Vorsorge gegangen und habe einen sehr guten Gynäkologen in der Innenstadt, bei dem ich seit etwa sechs Jahren in Behandlung bin, da mein damaliger Arzt in Rente gegangen ist. Mein Frauenarzt hatte bei der letzten Untersuchung nichts bemerkt.
Am 1. Juli habe ich mich morgens beim Duschen aus einer Ahnung heraus bewusst an der Brust abgetastet. Mama hatte mir einen tollen Duschschaum geschenkt und ich habe das Duschen 🚿 entspannt genossen. 
Dann war dort dieser Knoten rechts außen, der da einfach nicht hingehörte.
Zwei Tage zuvor war ich mit einer lieben Kollegin aus Düsseldorf und einer weiteren herzlichen Exkollegin aus München auf dem Konzert von James Bay auf dem Tollwood im Olympiapark. Auf dem Weg dahin hat der Bh gedrückt. Im Konzert gab es ein Stechen in der Brust (ähnlich wie ein Seitenstechen) und ich sagte schon laut: "Was ist denn heute mit meinen Brüsten los?" Wieder einen Tag später, spannte nur die rechte Brust, diesmal ohne Schmerzen. Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich die Zeichen realisiert habe. Am selben Tag war ich noch beim Frauenarzt. Acht Tage später beim Spezialisten, wo eine Vermutung ausgesprochen wurde. Das endgültige Ergebnis hatte im Juli die Biopsie ergeben, 100 Prozent Krebs ist seit 18.07. bekannt und seitdem bin ich auch krank gemeldet.
Ich habe mit dem Krebsinformationsdienst in Heidelberg gesprochen, das ist eine Hotline, wo jeder Bürger anrufen kann, wenn es Fragen zu Krebs gibt. Dieser Service ist kostenlos und dort sind immer die neuesten Ergebnisse von Studien & Co. vermerkt. Ich dachte mir, vielleicht gibt es hier noch Informationen, dir mir weiterhelfen, dem war aber nicht so.

Es gibt für den Menschen keine geräuschlosere und ungestörtere Zufluchtstätte als seine eigene Seele. Halte recht oft solche stille Einkehr und erneuere so dich selbst. (Marc Aurel)

Und sonst so? Die Woche vor Weihnachten war stressig, ich war noch immer am Organisieren der Spritzen. Durch die Spritzen gab es stärkere Knochenschmerzen und ich hoffte auf die Blutabnahme. Die Leukozyten waren dank der Spritzen blendend, diesmal war das Bilirubin erhöht. Das hieß wieder früher in die Klinik fahren, weitere Blutabnahme, abwarten und Geduld erbringen, endlich Freigabe  erhalten und Bestellung der Therapie. Um 11 Uhr erhielt ich die 4. Chemo meines zweiten Teils und damit die zweite Taxol mit Carboplatin, es sind noch acht.

Nur wenn du über deinen Schatten springst findest du den Weg ins Licht. (Unbekannt)

Ich habe meine Schwester gesehen. Es hat mir so gut getan. Wir waren lecker frühstücken und in meinem Viertel spazieren.
Und nun steht Kempten vor der Tür. Eine kleine Pension, Schloss Neuschwanstein und vielleicht auch Hohenschwangau. Morgen geht's los.

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Kommentare: 2
  • #1

    Conrad (Freitag, 23 Dezember 2016 18:55)

    That is quite a story about the discovery, really scratch open the reality of it. I am happy that you will see your family, they are important in your life. Is that your sister in the photo? She looks like you. Have a wonderful Festive Season, enjoy every moment, and love every day. Will be close to my thoughts all this time and happy to be there for you at any time.

  • #2

    Susanne (Freitag, 23 Dezember 2016 21:26)

    Du hast Recht. Jeder muss seinen Weg finden. Und ich gönne jedem Krebspatienten seinen eigenen Weg und eigene Entscheidung. Das muss jeder selbst wissen. Keine Frage.

    Nur... Die Ratschläge zur alternativen Krebstherapie kommen fast nie von Betroffenen oder Ärzten. Es sind Laien ohne Erfahrungen oder Studium, die nach ein paar Stunden google und zwei klugen Büchern glauben jetzt den Stein der Weisen gefunden zu haben.
    Neulich rief mich völlig verstört eine Freundin an, ob ich ihr helfen könnte? Der Besitzer der Zoohandlung (!!!) wo sie immer das Hundefutter kauft, hatte ihr eine homöopathische Alternative empfohlen. Sie solle die Chemo abbrechen und statt dessen ein Öl nehmen.
    Was ich davon halte?
    Was ich davon halte??? Ich hätte diesen Kerl am liebsten geohrfeigt!!!
    Der Typ weiß NICHTS über ihre Krankheit, gar nichts! Er hat nicht mal gefragt, wie weit fortgeschrittenen der Tumor ist, von Dingen wie Hormonstatus, Rezeptor, Ki 67, Grading, Lymphknotenstatus völlig zu schweigen.
    Er hatte einfach irgendwo, irgendwas gehört und gedacht er empfiehlt das mal locker flockig...

    Hätte sie auf ihn gehört und die Chemo abgebrochen und wäre deshalb gestorben... Himmel ich möchte lieber nicht wissen, was ich mit dem Typen gemacht hätte!!!

    LEUTE. SOLCHE RATSCHLÄGE SIND LEBENSGEFÄHRLICH!!!!!! Macht Euch klar, was Ihr da sagt, verdammt noch einmal!!!! Und dann hört auf zu glauben, Ihr hättet das Recht uns ohne Ahnung von irgendwas in einer überdurchschnittlich sensiblen Phase unseres Lebens das russische Roulette wärmstens zu empfehlen!!!

    Ich weiß, man würde so gerne helfen. Glaubt mir ich weiß es. Aber die Frage, wie eine lebensgefährliche Krankheit zu therapieren ist, gehört in die Hände von Experten, nicht von Laien, die "irgendwo" mal "irgendwas" gelesen haben.

    Oder, um es mit Mario Barth auszudrücken: "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten."

    Sorry. Musste ich gerade mal loswerden.