#26 Club der Hypochonder

In meinem letzten Blog habe ich vom Zauber des Anfangs geschrieben und ich kann Euch gar nicht sagen, wie sehr ich mich danach sehne. 
Silvester war schön, wir wurden toll verwöhnt, vielen Dank nochmals an unsere Gastgeber! Es war ein sehr schöner und besinnlicher Abend. In diesem Sinne Happy New Year für Euch.

Die Erfahrung ist wie eine Laterne im Rücken; sie beleuchtet stets nur das Stück Weg, das wir bereits hinter uns haben. (Konfuzius)

Ich habe mir im Januar viel vorgenommen, mehrere zweite Meinungen einholen, Besuch beim Genetiker anstreben und die Blutergebnisse meines leiblichen Vaters erfahren, zum allwissenden Kardiologen gehen und das Herz untersuchen lassen, meinen Onkologen sprechen, eine Schönheitschirurgin treffen und meine Op final entscheiden...letztes Jahr war mein Motto neues Jahr, neues Glück 🍀- dieses Jahr wünsche ich mir Gesundheit und mit dem zufrieden zu sein, was ich habe.
Seit Mittwoch, dem 4. Januar habe ich Brustschmerzen links und unterhalb vom Port. Anne und ich sind gestern Abend in die Notaufnahme gefahren um das abzuklären. Kein Grund zur Beunruhigung hieß es, das Tietzesyndrom ist gut mit Ibuprofen behandelbar. Mit dem Gefühl - ich bin ein Hypochonder- bin ich wieder nach Hause. Die Nacht war schlecht, die Schmerzen sind geblieben. 
Heute morgen ist dann noch der linke Arm geschwollen und sah sehr eigenartig aus, übersät mit Quaddeln... iieeehhh.
Der Hausarzt meinte: "Bitte in der Klinik abklären." In der Klinik wurde ich zum Radiologen wg. Verdacht auf Thrombose geschickt. Wieder nichts gefunden, zumindest darf ich hier Hypochonder sein. "Besser einmal zu viel, als zu wenig." sagte die Chemoärztin zu mir. 
Die Chemo ist wieder drin und solche Hautveränderungen sind also als Nebenwirkung zu sehen.
Eine Freundin sagte zu mir, dass ich diese Zeit hinter mir lasse, wenn ich wieder im normalen Leben bin. Ich antwortete: " Ich werde nie wieder mein altes normales Leben haben, ich werde immer in der Angst sein, dass was ist." Sie sagte nichts mehr. 
Ich wusste, sie hatte es gut gemeint. 
Es ist leider so, die komplette Nachsorge in den nächsten Jahren aller drei Monate wird mich immer wieder daran erinnern. Und ich hoffe ganz sehr, dass ich es lerne, mich zu entspannen. Dass ich es annehme und dass ich meinen Weg gehe. Jedes Wehwehchen, jeder unbekannte Schmerz - ah Rezidiv, ah Metastasen...Diese Zeit hat mich verändert. Ich hoffe so sehr, dass ich damit leben kann. Und dass ich es schaffe, mein oberstes Ziel gesund zu sein und es zu bleiben. Für alle Krebskranken wünsche ich mir: Es leben die Survivors!!
 
Und es gibt noch eine schöne Geschichte. In meiner Klinik bin ich einer Dame begegnet, die selbst betroffen war. Mit Anfang Zwanzig ist sie das ganze Programm durchgegangen und bis heute - 20 Jahre später - ist nie wieder etwas aufgetreten. Irgendwie schön zu hören. Spendet Hoffnung.

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Kommentare: 7
  • #1

    Fabi (Donnerstag, 05 Januar 2017 21:16)

    fight like a Girl Hasi! Mit Qigong, gesunder Ernährung, 10.000 Schritten am Tag, Gott im Herzen und nem Schalk im Nacken. So mach mer des. Chacka

  • #2

    Eva (Donnerstag, 05 Januar 2017 21:23)

    Liebe Susann, ich glaube nicht, dass Du für den Rest Deines Lebens Angst haben wirst. Ich glaube viel mehr, dass jede Nachsorge ohne Befund Dir mehr und mehr Zuversicht geben wird und die Angst nachlässt.
    Allerdings prägt Dich diese Zeit definitiv für den weiteren Verlauf Deines Lebens. Und zwar insofern, als dass Du Dich aufs Wesentliche konzentrierst (und Dich nicht in jeden Bullshit reinsteigerst (wie ich es manchmal tue)). Ich drücke weiter FEST die Daumen!! ✊✊✊

  • #3

    Sabine (Donnerstag, 05 Januar 2017 23:15)

    Liebe Susl, lass dir aus Erfahrung sagen ..... Es wird leichter!
    Ich konnte mir das auch nicht vorstellen, aber jetzt nach gut 5 Jahren kann ich das sagen. Manchmal komm ich auch in die Situation mal eine Nachsorge nach hinten zu schieben, weil etwas Wichtigeres dazwischen kommt. �
    Fühl dich umärmelt. �

  • #4

    Susanne (Freitag, 06 Januar 2017 08:17)

    Ach, es IST aber auch ätzend. Man ist tapfer - und tapfer - und tapfer - und tapfer... Und es ist immer noch nicht vorbei.
    Meine Freundin (die bekanntlich mit Mutter Theresa verwandt ist und ALLES weiß ;-) ) verglich die Chemo mit den "Dementoren" aus Harry Potter. - "Es fühlt sich an, als werde man NIE wieder glücklich sein."

    Ja. So habe ich mich auch gefühlt. Nach 8/9 Wochen Taxol dachte ich Dinge wie "Das Leben ist SOOO kurz. Und ich Idiot verschwende ein halbes Jahr auf eine Chemo??? Danach hab ich doch genausowenig eine Garantie gesund zu werden wie ohne? Warum also bin ich nicht lieber an's Meer gefahren? Das Leben findet HEUTE statt. Und was MACHE ich mit meiner knappen Zeit? - Chemo??? ... dämlich..." .
    DAS war ein ECHT fieser Dementor damals, der ne ganze Weile bei mir gewohnt und mir die letzten Kräfte geraubt hat.- Himmel, was hab ich geheult!!! .... Mein Magen, die Neuropathien, der Schwindel, die Schlafstörungen... bestimmt würde sich das alles NIE wieder erholen - und WOFÜR ???
    Für "eigentlich" dieselbe Situation wie vorher, oder? Vielleicht würde ich leben - vielleicht würde ich sterben....
    (Warum Du das nicht weißt? Na weil ICH nicht zu den Leuten gehöre, die unsicheren Anfängern in der EC Schwachsinn erzählen von wegen "Schmeiß die Chemo, sie hat eh keinen Zweck"...)
    Du bist jetzt schon länger mit Taxol zugange als ich damals!!!!
    Und Du klingst zehnmal so optimistisch wie ich mich gefühlt habe.

    Wenn Du also der Meinung bist, ich hätte das gut hinbekommen (ja, SELBSTVERSTÄNDLICH war es RICHTIG. Ich bereue die Chemo ABSOLUT NICHT, würde es immer wieder genauso machen!!!!), dann geb ich Dir hiermit schriftlich, dass DU das gerade auch super hinbekommst. Dass diese Phase vorbeigeht. Dass die Taxol-Dementoren wieder ausziehen. Großes Chemo-Schwester-Ehrenwort!!!

    Ja, die Hochrisiko-Nachsorge bleibt. Ja, wir haben Angst. Alle. Trotzdem finde ICH, dass es wirklich rasch besser geworden ist.
    Denn es ist "nur noch" meine eigene Angst. Kein Dementor im Nacken... Das kriegt man dann hin. :-)

    Zum Arzt gehen ist eine vernünftige Reaktion, wenn man ein völlig geplättetes Immunsystem hat und etwas komisches feststellt. Weil wir achtsam sein sollen. Weil eine Chemo kein Lutschbonbon ist. Das ist kein Zeichen von Hypochondrie. Sondern von Vernunft.

    Einatmen. Ausatmen. Du brauchst nicht alle Probleme gleichzeitig zu lösen. Im Moment musst Du "nur" durchhalten. Und wenn in Deinem Hinterkopf jemand "Du wirst den Rest Deines Lebens ängstlich, krank und schwach dahinsiechen... Du wirst nie wieder glücklich sein!" sagt. Dann denk an die Dementoren. Sie lügen verdammt überzeugend. ABER sie lügen!!!

  • #5

    Conrad (Samstag, 07 Januar 2017 10:16)

    Dearest Sue, if really makes me so glad that you are fighting so hard, I feel your power in every blog you write and feel the strength in you. You are powerful, and I an very lucky to know you.

  • #6

    Sabine aus BW (Samstag, 07 Januar 2017 16:38)

    Liebe Susann,
    Halte durch! Geh weiter Deinen Weg und nimm Dir nicht Zuviel vor. Alles in Deinem Tempo. Die ganzen Termine müssen ja nicht alle auf einmal sein.
    Und ja, die Angst wird Dich erstmal begleiten. Ein Schatten hinter Dir. Aber er wird Dir erstmal ein Weilchen helfen, gesund zu bleiben, Deinen Körper genau zu beobachten und rechtzeitig zu reagieren. Und dann wird er blasser und blasser werden.
    Und nein: du bist ganz sicher kein Hypochonder!!! Es ist wichtig, dass Du alle Veränderungen abklärst.
    Du weißt doch: Heaven can wait!

  • #7

    Debbie (Sonntag, 15 Januar 2017 11:54)

    Also ohne Eule 2 hätte ich Dein tolles Blog nie gefunden - das wäre aber schade gewesen. Habe vergangene Woche alle Blogeinträge gelesen und mich in Vielem wiederentdeckt.
    Hier wollte ich aber gerne mal kommentieren - Du hast recht, dass Du nie wieder Dein altes normales Leben wiederhaben wirst. Und das darf auch erst einmal eine Zeit des Trauerns mit sich bringen. Ich habe irgendwann festgestellt, dass ich ein normales neues Leben bekommen habe. Mir wäre auch lieber, wenn der Krebs keine Rolle darin spielen würde, aber die damit verbundene Angst wird so viel leiser mit der Zeit. Ich bin jetzt ganz am Anfang von Jahr 3 nach den Behandlungen und die Angst kommt vor den Nachsorgen und zwischendurch an schlechten müden Tagen. Aber im Vergleich zum Jahr 2014 und dem ersten Jahr nach den Behandlungen, steht die Angst irgendwo in der Ecke rum und hält meistens die Klappe, so dass sie gar keine Rolle spielt. Wenn es so bleibt, kann ich gut damit umgehen.
    Wünsche Dir noch viel Kraft für die weitere Therapie und danach bald wieder festen Boden unter den Füßen!

Supergirls don't cry! Aber manchmal weinen sie! Sie schluchzen und müssen auch ins Tal der Tränen! Denn da muss man manchmal hin, damit das für die alte Seele auch erträglich ist! Es ist wie ein Hamam, danach kommt man butterweich und gefestigt zurück.