#27 Winterwonderland

Es ist ein langer Weg vom Beginn einer Sache. (Molière)

Nina, Fabi und ich sind zu einem gemeinsamen Fotoshooting gefahren, diesmal haben wir uns das Shooting gegönnt und die Bilder sollen nicht nur eine Erinnerung sein. Hat sehr viel Spaß gemacht und vielleicht hänge ich mir auch ein Bild von uns Dreien auf. 

Wir haben meine zwei Spritzen pro Chemo nun auf eine Spritze reduziert. Ziel ist es, dass der Körper selbständig lernt wieder Leukos im Knochenmark zu bilden. 
Bin sehr gespannt, ob die Leukos oben bleiben, die nächsten Wochen werden es zeigen. Durch Taxol bekomme ich unreine Haut und mehr Neuropathie als Nebenwirkung, d.h. Hände und Füße schlafen ein und kribbeln. Das ist äußerst unangenehm und ich hoffe, dass es nicht überhand nimmt. Das Mittel gegen Gürtelrose nehme ich brav weiter.

Ich bin öfters auf meinen Haarersatz angesprochen wurden, auf die Lola.
Für mich war es von Anfang an wichtig Echthaar zu tragen, damit ich so wenig wie möglich gefragt werde und ein relativ normales Leben führen kann ohne ständige Blicke zu kassieren. Aller zwei bis drei Wochen wasche ich die Perücke. Dieses Prozedere dauert etwa zwei Stunden, bis Lola wieder in Form ist. Nach bald einem halben Jahr Einsatz ist sie etwas zottelig an den Spitzen geworden und ich überlege im Zweithaarstudio vorbei zu schauen und sie schneiden zu lassen. Ich denke, dass ich Lola noch etwa drei Monate im Einsatz haben werde bis meine Haare regelmäßig sprießen. Derzeit rasiert Anne ab und an meinen Flaum vom Kopf. Wir hoffen damit, dass die echten Haare dicht und fest nachwachsen. 

Was ich auch sehr hilfreich finde - insbesondere wenn es draußen nass ist, sind Haarbänder aus Kunsthaar, die ich gut unter Mützen tragen kann. Sabine hatte die Idee und hatte sie mir im Sommer in rot und braun genäht.

Ich habe mit einem meiner Ärzte telefoniert, den ich seit der Diagnose nicht mehr gesprochen habe. Er erkundigte sich nach meinem Befinden und wie ich durch die Therapie gekommen bin. Fassen wir zusammen, anfangs habe ich 7 kg verloren, mittlerweile wieder 5 kg draufgefuttert.
Ich mache einmal die Woche Sport mit Krankengymnastik am Gerät und versuche oft Qi Gong einfließen zu lassen. Ansonsten gehe ich an guten Tagen auch mal in eine Bar oder in ein Café - gehe einkaufen und spazieren. Der Tag vergeht schnell, jeden Tag habe ich Termine. Einmal die Woche Blutabnahme - der Verdacht auf Thrombose wird weiter beobachtet. Ich scheine eine Bindehautsschwäche zu entwickeln, die Adern verändern sich an den Armen. Zudem schlafe ich schlechter, hängt wohl mit dem Thema Op zusammen. Ich wäge ab.

Wir haben Schnee - so schön!! Ich genieße es, mir fehlt das Skifahren aber durch den Schnee laufen ist auch fein.

Wenn ich weiterhin so gut durch die Chemo schiebe, bin ich nun doch schon am 15.2. fertig ✅, eine Woche früher als gedacht.

Ein Stück des Weges liegt hinter dir, ein anderes Stück hast du noch vor dir. Wenn du verweilst, dann nur um dich zu stärken, aber nicht um aufzugeben. (Augustinus von Hippo)

Ich will 

Ich will leben, nach Zufriedenheit streben.
Ich will lachen, einfach Erinnerungen machen.
Ich will reisen, meinen Weg beweisen.
Ich will lieben, mit Herz und allen Tiefen.
Ich will leben, reines Glück aufheben. 
(Susann, Jan 2017-München)

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Kommentare: 4
  • #1

    Fabi (Mittwoch, 11 Januar 2017 12:38)

    Schönes Gedicht

  • #2

    Susanne (Mittwoch, 11 Januar 2017 13:28)

    Und? Fühlt es sich "normal" an, das Leben mit Lola ?

    Ich war, wie Du ja weißt kein großer Perückenfan, fand aber dafür, dass mir gerade die Glatze viel Sicherheit gegeben hat.

    Ich torkelte und lief Schlangenlinien? - Konnte ja jeder sehen, dass ich nicht sternhagel besoffen war!
    Ich konnte in der Straßenbahn nicht stehen? - Konnte ja jeder sehen, dass ich Rücksicht brauchte!
    Ich war anspruchsvoll, pingelig und nicht kompromissbereit? - Konnte ja jeder sehen, dass es dafür gute Gründe gab!!!

    Die Glatze war wie ein Schild: Achtung!!! Ihr Gegenüber ist schwer krank. Seien Sie nett!!! Wenn ich JETZT Rücksicht oder Verständnis brauche, muss ich wieder darum bitten und mich rechtfertigen... Die Schonzeit ist vorbei.

    Unglaublich aber wahr: An manchen Tagen fehlt mir die Glatze...

  • #3

    Conrad (Donnerstag, 12 Januar 2017 01:10)

    Hello there. That was a very pretty poem. I am happy you are doing so well. It's been a hard road but I think you have walked it with a strong will. Even when it was hard. I never noticed Lola as you call her, I always get caught with the eyes. Enjoy the snow, I miss that.

  • #4

    Caro (Samstag, 14 Januar 2017 22:17)

    Du bist wunderschön �