#28 Seelenfrieden

Es kann nur Glück oder Freude geben, wenn man in sich selbst Frieden gefunden hat. (Edgar Cayce)

Die zweite Meinung bei einer Koriphäe in der Genetik hat stattgefunden. Es war ein sehr guter Termin. Ich habe mich wohl gefühlt und bin als Mensch behandelt wurden, nicht als Nummer. Diese Genetikerin hat sich die unbekannte Variante im BRCA2 angeschaut und wird ihre Datenbanken nochmals durchforsten und mich dann kontaktieren. Etwa ein Drittel der Patienten, die sich bei ihr vorstellen, haben unbekannte Varianten in den Genen.
 
Da sie mich als einen Sicherheitsmenschen sieht, stimmt sie bezüglich Brustop für Ablatio, da ich kein Typ für Risiken wäre. 
Sie würde auf jeden Fall die kranke Brust entfernen lassen, da mein Tumor bereits einen Nachbarherd gebildet hat und wir nicht wissen, was er noch in der Brust angestellt hat. Ich fundiere also die subkutane Mastektomie beidseitig - die Gespräche mit den Ärzten werden es weiterhin zeigen und bis zum Ende des Monats werde ich Gewissheit haben. Den Weg der Zweitmeinung zu gehen, fühlt sich richtig an. Kommenden Donnerstag besuche ich eine Schönheitschirurgin.
 
Kinder bekommen, wäre gemäß der Einschätzung der Genetikerin, kein Thema. Nur bittet sie mich darum Kraft zu schöpfen und meinen Seelenfrieden bis dahin gefunden zu haben. 
Ich brauche meine Eizellen auch nicht nach dem Gen absuchen lassen- was laut Embryoschutzgesetz in Deutschland verboten wäre - da sie nicht der Meinung ist, dass diese unbekannte Variante im Brca2 ausschließlich krankheitsverursachend ist. 
 
Mein Gendefekt wäre ungefähr so selten, wie jemand, der ein blaues und ein grünes Auge hat. Mit 40 Jahren möchte ich sie nochmals kontaktieren, hier soll ich dann hinterfragen, wie es mit den Eierstöcken ausschaut. Momentan sieht sie keinen Grund diese so früh entfernen zu lassen, sondern eher mit 45 bis 50 Jahren. 
In einer reichlichen Woche bin ich wieder bei dem Genetiker, der mich betreut- um final herauszufinden, was die Blutuntersuchung meines leiplichen Vaters gebracht hat.
Lola war beim Friseur, ich habe sie früh hingebracht und nach vier Stunden wieder abgeholt. Sie wurde gewaschen, mit Ultraschall geföhnt, geschnitten und gepflegt. Hat im Ganzen 39 EUR gekostet und hat sich gelohnt.
Die stärkere Chemo mit Carboplatin ist wieder drin, die Übelkeit, Durchfall und Schmerzen scheinen von Mal zu Mal zuzunehmen. Heute morgen stand ich kurz vorm Übergeben gefühlte drei Stunden lang. 
Ich merke, wie ich am Ziel ankommen will, das Durchhalten wird zäh.

Man muss seine Wege gehen, aber auch den Mut haben, die Richtung zu ändern. (unbekannt)

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Kommentare: 3
  • #1

    Christin (Samstag, 14 Januar 2017 14:18)

    Toll siehst Du aus mlt der neuen alten Lola ���
    Halt durch!

  • #2

    Nicole (Samstag, 14 Januar 2017 20:23)

    Tapfere Susann ich kann nur bedingt nachempfinden wie es dir geht aber so wie ich dich kennen gelernt habe wirst du aus allem das Beste machen und letzten Endes nicht kleinbei geben! Alles gute und schön dass du so tolle Ärzte um dich herum hast

  • #3

    Conrad (Montag, 16 Januar 2017 07:13)

    Well as always you look beautiful. It's a brave a difficult step coming but at the end of the day it's better to be sure of what is coming than unsure. I know from my own life being insecure with the future is harder, I hope your road will be free of obstacles. Huge hugs, hope to chat again soon. ��

Supergirls don't cry! Aber manchmal weinen sie! Sie schluchzen und müssen auch ins Tal der Tränen! Denn da muss man manchmal hin, damit das für die alte Seele auch erträglich ist! Es ist wie ein Hamam, danach kommt man butterweich und gefestigt zurück.