# 33 Freu dich nicht

Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen habe ich mich nicht getraut. (Karl Valentin)

Meine Chemoärztin hat gewechselt. Aller sechs Monate gibt es einen Wechsel einer Assistenzärztin. Die Assistenzärzte durchlaufen mehrerere Stationen für eine halbjährliche Dauer bevor sie Facharzt werden können.
Loslassen ist keine Stärke von mir. 
Die Thrombozyten waren bei 100 000 (Mindestwert für Chemo) angekommen - es war geschafft mit Sport, Ernährung und Kampfgeist! Puh, gut gemacht!
Der Termin stand für Montag, Chemo war bestellt. Ich war euphorisch und erfreute mich meiner Leistung.
Freu dich nicht zu früh, Eulchen!
Es gab nochmals eine Blutabnahme in der Klinik, der Chemochefarzt bestand darauf.
Ich ahnte nichts Gutes... es wurde ein großes und kleines Blutbild sowie ein Differentialblutbild gemacht. Aufgrund der Pause zwischen den Therapien hatte ich mich nicht gespritzt. So hatte ich doch letzte Woche gefragt, ob ich mich spritzen soll. Es ist bekannt, dass meine Leukos fallen.
Die Antwort war: "Nein, der Körper muss sich von selbst erholen."
Hat er leider nicht. Leukos lagen bei 2,7 - ein Unterwert war noch niedriger.
Eine Chemo gibt es ab 3,0. Keine Chance, die Chemo wurde storniert und ich fuhr nach Hause.
Ich war voller Wut -  denn das hätte ich mittels der Spritzen ändern können. Zudem war ich stinksauer und mir kamen die Tränen. Auf einmal war ich das wütende, kleine Mädchen.
Mein Ehrgeiz ist sehr ausgeprägt, das war in der Schule schon so. Ich war im Sammeln von Fleissnoten wie ein Eichhörnchen und am Ende wunderte ich mich, wenn ich es nicht mit dem Kopf durch die Wand schaffte. Jetzt gehe ich nicht mehr zur Schule, sondern stehe im Leben als mittelalte Frau (Klassifikation aus der Reproduktion). Ich bin traurig und weiß nicht, inwiefern sie mir die Chemo bis zum Schluss geben. Es kann sein, dass sie mir die letzten Therapien streichen. Die  Blutwerte sind so mies.
Diese Warterei ist schwierig, die Absage wie ein Schlag auf den Hinterkopf.
Mein Papa (Ziehvater) sagte immer: 
"Ein Klaps auf den Hinterkopf fördert das Denkvermögen, Eulchen. " 
Er fehlt mir so - dreieinhalb Jahre ist er tod. Ich könnte die ganze Zeit weinen...
Themenwechsel! 
Bald ist Valentinstag! 
Für uns Frauen ist dieser Tag sehr wichtig - im übrigen war Valentin ein Pfarrer, der trotz Verboten junge Verliebte vermählte! Es gab ihn also wirklich...
Ich habe ihm ein Gedicht geschrieben 🤔:
Ich war beim Kochen- zum einen bin ich in die Vergangenheit eingetaucht mit Soljanka, Königsberger Klopsen und Senfeiern und zum anderen in die Welt der veganen Küche. Diesmal hat sich alles um das Wintergemüse Kohl gedreht.
So ganz ist die Ablenkung von der Krankheit nicht gelungen. Koch Nr. 1 erzählte von der Wirkung Majorans. Dieses Gewürz 🌿 wäre stärker als manche Chemotherapie und Köchin Nr. 2 berichtete von drei Wunderheilungen in ihrem Freundeskreis durch Ernährungsumstellung. 

Alles Mist!

Lola schützte mich - meine Krankheit ist nur für Experten sichtbar. 
Beim letzten Kochkurs war eine Gynäkologin mit von der Partie.
Sie sprach mich an...
Ich verschönigte nichts, bejahte, dass ich diese Krankheit habe. Sie sagte mir, dass ich so blass wäre. Ich sagte ihr, das läge am Blut, eine Nebenwirkung der Therapie. Sie wollte noch wissen, wo ich in Behandlung bin und wünschte mir alles Gute.🍀👍 

Es ist anstrengend und es ist auch keine schöne Zeit. Es nervt, es ist ätzend. Du suchst die Geduld, nur findest du sie nicht. Du suchst die Liebe, doch bleibt sie nicht. Du suchst den Sinn, aber bleibst ratlos.

Kommentar schreiben

Kommentare: 8
  • #1

    Melli (Montag, 06 Februar 2017 16:14)

    Ach Süße, das tut mir so leid. Ich hab so mitgefiebert, gehofft und die Daumen gedrückt. So ein Mist... aber lass den Kopf nicht hängen. Fühl dich ganz fest gedrückt!

  • #2

    Thom (Montag, 06 Februar 2017 16:33)

    Drücke dir die Daumen und wünsche dir ganz viel Kraft. Manchmal ist man oben und manchmal ganz unten. Das eine folgt dem anderen. Damit weißt du was dich jetzt erwartet �

  • #3

    Franzi (Montag, 06 Februar 2017 18:14)

    Wenn du die Bergspitze einmal nicht sehen kannst. Schau hinunter ins Tal und sieh, was du schon alles geschafft hast.
    Nur Mut und weiter und weiter!

  • #4

    Susanne (Montag, 06 Februar 2017 21:55)

    The world will not end
    The world will not end
    The world will not end
    The world will not end
    The world will not end
    The world will not end
    The world will not end
    ...

    Ich bin bei Dir.

  • #5

    Susanne (Montag, 06 Februar 2017 22:01)

    ... vergessen zu erwähnen: Du weißt, dass ich Dich stark finde? Und unfassbar tapfer!!!
    Ich könnte hier meinen gesamten Wortschatz an Schimpfwörtern auspacken und würde der Situation doch nicht gerecht.

    Bleib stark. Es ist fast geschafft!!!

  • #6

    Angi (Dienstag, 07 Februar 2017 15:33)

    Angi hat Dich lieb, mein Schatz!

  • #7

    Steffi (Dienstag, 07 Februar 2017 21:11)

    Halt durch Susi! Kopf hoch!
    Hab ein Koreanisches Restaurant für unser nächstes Treffen ausfindig gemacht. Da gibt es was mit Majoran ;-)

  • #8

    Anja R. (Mittwoch, 15 Februar 2017 07:07)

    Liebe Susl, alles Liebe und Unterstützung sende ich Dir auf diesem Wege, ich denk an Dich und glaube, dass es nicht mehr fern ist! Liebste Grüße, Anja

Supergirls don't cry! Aber manchmal weinen sie! Sie schluchzen und müssen auch ins Tal der Tränen! Denn da muss man manchmal hin, damit das für die alte Seele auch erträglich ist! Es ist wie ein Hamam, danach kommt man butterweich und gefestigt zurück.