#34 Leichter gesagt, als getan

Wenn ich loslasse, was ich bin, werde ich, was ich sein könnte. Wenn ich loslasse, was ich habe, bekomme ich was ich brauche. (Laotse)

Diese ganze Verzögerung hatte was Gutes. Ich lernte im Heute zu leben.
Mein Organisationstalent war dahingestellt, alles bis Juni durchzuplanen - hieß jetzt - loszulassen. Mit der Planerei in dieser Zeit klappte es einfach nicht.

Ich war das erste Mal im Büro gewesen, da ein Abschied eines ehemaligen Chefs stattfand. Dort habe ich auch meinen jetzigen Chef gesprochen. 
Ich habe ihm mitgeteilt, dass ich mich nach der Op im März bei ihm melde, wenn alles überstanden ist. Er sagte einen wirklich inspirierenden Spruch bezüglich dem Aussen und Innen eines Menschen. Bewegende Worte! Die Kollegen waren freundlich zu mir. Ich war selbst erstaunt, wie stark ich war. Keine Träne, kein Jammern - sondern Stabilität sowie andere Gesprächsthemen.

Jedes Scheitern ist ein Schritt zum Erfolg. (William Whewell)

Ausserdem besuchte ich einen dritten Kochkurs. Dieser war der Beste, tiefe Gespräche und spanische Küche. Von der Schweinebacke in Rotweinsauce durchliefen wir das Programm bis zum zarten Zitronenmus. Ich durfte mich glücklich schätzen, ich habe Spinat zubereiten gelernt. Also: Frischen Spinat blanchieren, klein schneiden, in einer Pfanne in Olivenöl dünsten und mit ausreichend Salz und Pfeffer würzen...
Die Gruppe war sehr homogen, die Lehrerin mit Herz und Leidenschaft dabei. Das Event hat mir super gefallen!
Lange keine Therapie. Jedesmal wurde ich nach Hause geschickt (beinahe täglich).
Der Op-Termin konnte nicht gehalten werden. Es schiebt sich alles, ich machte einen neuen Termin beim Chefarzt für Ende des Monats aus...er soll entscheiden.
Wollte sowieso fragen, ob sie noch intraoperative Bestrahlung bei der Op machen können. Diese Warterei hat mich seelisch mitgenommen und gebeutelt, ich war enttäuscht 😔 von allem. Ich hatte auch keine Lust mehr, jeden Tag Sport zu machen und auf gesunde Ernährung zu achten. Schwierig nachzuvollziehen...statt dessen gönnte ich mir Schokolade und ein Gläschen Rioja. Einen Tag später waren die Werte tiptop und endlich konnte es weitergehen.

Carboplatin, die Letzte. Ab sofort gibt es vor jeder Chemo einen Schwangerschaftstest. Komisches Gefühl. Durch die Chemo habe ich seit Herbst keine Periode mehr. Wenn sie meinen...laut meinem Chefarzt können die Tage grad bei jungen Frauen mit etwa 80 Prozent (eine hohe Zahl, in der Reproduktion hieß es 50:50) wiederkommen. Danach soll die Betroffene ca. 24 Monate warten, bis eine Schwangerschaft entstehen kann. Der Körper muss sich schließlich erholen von der Chemotherapie. Die Zeit wird alles zeigen...

Die beiden Taxols stehen noch auf dem Plan. Ich warte ab, wie sich die Blutwerte entwickeln und plane nichts. Mein Kurztrip nach Spanien wird auch kurzfristig entschieden.

Ich wurde mehrere Male gefragt, wie es mir geht. Meine Geduld ist wieder geplatzt. Ich bin dünnhäutiger geworden, sage schneller meine Meinung. Das erschrickt mich, da ich mich so nicht kenne. Auf der anderen Seite gefällt es mir, ich baue auf Ehrlichkeit, Respekt und Vertrauen. Und ich bin dankbar für die Chemoevents, Ablenkung ab und an.

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Kommentare: 1
  • #1

    Susanne (Freitag, 10 Februar 2017 00:28)

    Glückwunsch zur letzten Carboplatin!!!! Was für ein Meilenstein!!!!
    Drücke alles was geht, dass die letzten beiden Taxol jetzt noch zügig reingehen!!!! Z W E I noch. Das ist nicht mehr viel!!!!!