#36 Noch einmal

„Ich würde alles noch einmal so machen, wie ich es getan habe. Bis auf eine Ausnahme: Ich würde früher bessere Berater suchen.“ (Aristoteles Onassis)

Noch einmal Taxi rufen, Eishandschuhe mitnehmen, Port anstechen, im Chemoraum sitzen und danach Danke sagen. Noch einmal mit dem Taxi nach Hause kommen, noch einmal einen Essanfall haben, drei Stunden schlafen und dann langsam besser fühlen. Noch einmal spritzen. Noch einmal Tag 3-5 wegen der Nebenwirkungen abwarten. Alles nur noch einmal.

Ich bin fast durch. Seit 8.8. in der Chemotherapie und nun am 22.2. in der letzten Therapie. Seht her, das sind lauter Schnapszahlen!

16 Therapien: 4 EC, 12 Taxol und 4 mal Zugabe von Carboplatin. Mit Verzug von 7 Wochen. Erst eine Bindehautentzündung und im Herbst folgte die Gürtelrose mit sechs Tagen Krankenhausaufenthalt.
Danach hatte ich immer wieder schlechte Blutwerte (Kampf mit Leukos, Thrombos, Hämoglobin und Bilirubin) sowie zwei Infekte (einen Infekt in der vergangenen Woche). 7 kg habe ich abgenommen unter EC und wieder 5 kg zugenommen unter Taxol. Das mit dem ich mich am schwersten tu, ist das Warten. 
Egal, wo du bist, du musst warten.

Und auch wenn kleine Verletzungen oder unbekannte Schmerzen auftreten, werde ich zum Hypochonder und muss sofort zum Arzt. Erst wenn es behoben ist, bin ich wieder entspannt.
 
Nun zu den bekannten Nebenwirkungen;
Metallener Geschmack, alles zwickt immer wieder, Neuropathie (als würden Hände und Finger einschlafen) Haarausfall, dünnere und empfindlichere Haut, Verfärbung an den Nägeln, Bauchprobleme in allen Belangen, Schwäche, Schlafprobleme.

An meiner erkrankten Brust hat sich im Februar ein Strang gebildet, das käme von der Chemo heisst es. 
Es ist noch immer da.

Qi Gong, Spazieren, Krankengymnastik am Gerät seit Oktober, Tanztherapie, Zeit für sich nehmen, Filme gucken, lesen, Hörbücher hören.
Auch tolle Chemoevents haben, Zeit mit wunderbaren Menschen verbringen, Briefe bekommen, Geschenke erhalten 🎁, in Erinnerungen schwelgen, lachen, manchmal weinen und mit all der ärztlichen Vorsorge im Blickpunkt sein. 

Jetzt heißt es entspannen, Kräfte sammeln bis zur Operation. Ein großer Meilenstein liegt nun bald hinter mir. Ich bin ein bisschen glücklich darüber...
 
Ein Freund sagte neulich, ich hätte mich verändert, ich wäre authentischer und geerdeter geworden. Ich habe mehr einen Blick für behinderte Menschen entwickelt, zeige meine Hilfsbereitschaft im Alltag, sofern es geht. Ich bin ehrlicher mit mir und anderen. Ich habe aber auch Ängste.
Alltagsängste, was das Feiern und Trinken in der Zukunft angeht. Was das normale Leben sein wird. Was meine Freundschaften betrifft.
Ich frage mich mitunter, wer ich bin?

Chemokalender


Im letzten Blog habe ich von meinem 30. Geburtstag in Santiago de Chile berichtet, kurz darauf musste ich mit Schrecken erfahren, dass einer meiner Mitbewohner aus dem Hostel in Chile mit nur 22 Jahren am Valentinstag verstorben ist. Rest in Peace, Olly! Ich werde dich nie vergessen.

Tina aus Düsseldorf ist wieder zu Besuch, das freut mich.

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Kommentare: 2
  • #1

    Steffi (aus dem Heimatstädtchen) (Sonntag, 19 Februar 2017 20:04)

    Denk an Dich ...
    Ich fieber mit..
    Wie wirst Du Dich wohl am 22.2 fühlen?
    Ich bin gespannt...
    Wie schaffst Du es, so stark zu bleiben?
    Ich bin stolz auf Dich!

  • #2

    Susanne (Montag, 20 Februar 2017 09:34)

    Chemo der Schnapszahlen?

    Na dann ist ja geklärt, dass heute um 11.11 Uhr die aktuelle Taxol (11.) ihre volle Wirkung entfaltet und die letzte Krebszelle platt macht, so das 0,00 (NullKommaNix) übrig bleibt.
    Dass Du 99 Jahre alt wirst und in der Zeit 777777 Blogpost schreibst.
    Dass Du 666 Länder bereist und in jedem der Länder 333 Freundschaften schließt.

    UND, dass wir bald mit einem Schnaps (oder was anderem) auf den Therapie-Erfolg anstoßen.

    Prost - oder wie man in Israel sagt: "Auf das Leben!"