#44 Freisein

Was du nicht loslassen kannst, lässt dich nicht los. (Michael Marie Jung)

12 Tage war ich in der Klinik, das Fieber kam nicht wieder. Auch die Temperatur besserte sich. Es wurde keine Ursache gefunden.
Gestern durfte ich heim, beide Drainagen waren final unter 30 ml binnen eines Tages.
24 Stunden später war ich das erste Mal seit der Operation duschen. Meine Körperbehaarung wächst, nach acht Monaten nutze ich wieder den Rasierer. Auch die Kopfbehaarung wird dichter, ich hoffe auf Haare statt Flaum. Die Wimpern und Augenbrauen sind fast komplett verschwunden.  

Ich fühle nicht sehr viel an den neuen Brüsten und ich trage weiterhin den Spezialbh. Vertrauen und Geduld sind gefragt.
In den nächsten Wochen werden sich beide Brüste noch verändern. Die Schmerzen als auch die Spannung sind geblieben. Ich versuche den Brustmuskel so wenig wie möglich zu beanspruchen. Dieses Thema ist kompliziert, da dieser Muskel ständig gebraucht wird. Aua.

Mitte Mai plane ich im Übrigen mit meiner Mutter eine Kreuzfahrt ins östliche Mittelmeer. Ich hatte es im Januar gebucht. Es soll eine Belohnung für Mama und mich sein!

Danach folgt die Kur in Bad Überkingen in Baden Würtemberg, dies liegt eine Stunde von Stuttgart entfernt.

Es war ein komisches Gefühl, wo ich mir das Taxi von der Klinik gerufen habe. 
Mein erster Gedanke war: "Jetzt bin ich frei. Frei von Therapien und Ärzten. Frei von dieser Krankheit."

Mein Chefarzt sagte mir, dass wir uns nur noch einmal sehen. Dann fänge die Nachsorge aller drei Monate bei meinem Gynäkologen und meinem Radiologen an. 
Auch mein Hausarzt wird mich dann aller drei Monate sehen - für Blut abnehmen und Ultraschall vom Oberbauch. Hat geklappt.

In all der Zeit der Therapien waren die Ärzte im Klinikum meine Ansprechpartner. Jetzt muss ich diese loslassen. Ich bin froh, dass alles gut geklappt hat. Der letzte Termin mit dem Chefarzt findet nun am Donnerstag statt. 

Ein letztes Mal werde ich in der Tumorkonferenz besprochen, so wie es ausschaut, wird es keine Nachbehandlung geben. Auch keine Medikamente zwecks einer Studie. Frei eben. Ich habe Respekt ✊ davor. Dieses neue Gefühl muss ich lernen anzunehmen.

Der Port bleibt erstmal ein Jahr drin. Aller drei Monate lass ich ihn in einem Klinikum mit Kochsalz durchspülen. Dieser Zugang stört mich nicht und das Portsystem gebe ich lediglich beim Fliegen an. Aufgrund meiner Eitelkeit wurde letzten Sommer das kleinste Modell eingebaut.

Ich habe noch keinen Plan, was ich jetzt bis Mai mache. Ich werde mich mehr bewegen, gesund ernähren und zur Krankengymnastik und Lymphdrainage gehen.

Meine Uromi in Dresden sagte immer: "Sei einfach Hans guck in die Luft."
Das ist es, beim Seele baumeln, kommen einem die besten Ideen. Dann übe ich mich mal im Nichtstun und werde berichten.  

"Ein Augenblick der Seelenruhe ist besser, als alles, was du sonst erstreben magst." (Sprichwort aus Persien)

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Eva (Dienstag, 04 April 2017 20:40)

    Wwwwwooooowwww! Du hast es geschafft! Sei stolz auf Dich! Ein unendlich großes Stück (Kopf-)Arbeit liegt hinter Dir.
    Ich wünsche Dir nur das Beste für die nächste Zeit. Verwöhne Dich und lass es Dir gut gehen!

  • #2

    Tobi (Dienstag, 04 April 2017 21:03)

    Ich freu mich so für Dich und wünsche Dir einen wunderschönen Urlaub mit Deiner Mama!
    Und dass Du den Frühling genießen kannst....
    Liebe Grüße Tobi

  • #3

    Conrad (Dienstag, 04 April 2017 21:39)

    Great joy, you're home again. And the cruise to look forward to.

  • #4

    Susanne (Mittwoch, 05 April 2017 14:56)

    Ich habe gerade einmal nachgelesen, wie wir uns kennen gelernt haben.

    Am 12. Juli 2016 (damals hattest Du noch keine Diagnose. Nur "Es sieht stark nach Krebs aus") habe ich "Mach alles so, wie es für Dich richtig ist. Du wirst später sehr stolz sein, wie Du das geschafft hast." geschrieben.

    Der Tag ist gekommen.

    ICH finde, Du hast allen Grund stolz zu sein.

    Herzlichen Glückwunsch!!!!! Und willkommen im Leben!!!