#AA Guten Morgen liebe Sorgen...

Vor einiger Zeit sprachen eine Freundin und ich über die Frage, was das scheußlichste an der Zeit nach der Krebsdiagnose ist. 

Und wir waren uns einig, das scheußlichste ist es morgens aufzuwachen. Sich "gut" und "normal" zu fühlen. Und dann von einer Zentnerlast auf der Brust daran erinnert zu werden: NICHTS ist "gut" und nichts ist "normal".

Diese Phase verging. In der Chemo wachte ich morgens nie auf und fühlte mich "gut" und "normal" also stellte sich das Problem nicht. Und nach der OP geschah etwas wunderbares: 


Ich wachte manchmal morgens auf und fühlte mich "gut" und "normal". Und mein Unterbewusstsein meldete, gleich werde wieder diese Zentnerlast vom Himmel fallen. Und ich wartete auf die Zentnerlast... Und es kam nichts. Es blieb so "gut" und "normal" 


Ich hatte es WIRKLICH geschafft!!!! 


Wirklich.


Nur. Ich versuche mich gerade an einer Rückkehr in die Normalität. Und das ist nicht so einfach. Und auch wenn ich doch eigentlich wissen sollte, wie unwichtig das alles ist! Und auch wenn Angst vor der Normalität nicht jeden morgen wie eine Zentnerlast auf mir landet. - Sie ist immer da. Ich liege nachts wach - oder wache morgens davon auf, dass ich Angst habe. Die Angst raubt mir den Schlaf, schlägt mir auf den Magen, lähmt mich und lässt mich nicht vorwärts kommen, sondern wie ein hypnotisiertes Kaninchen auf die Probleme starren. Und was immer ich tue - sie wird nicht kleiner. 



"Angst ist ein Zeichen von Kreativität" (Erich Kästner) sagte ein Bekannter von mir einmal, als ich Angst vor einem Vortrag vor einem RIESEN Hörsaal voller Menschen hatte (Uni Wettkampf). Er meinte die Angst sei ein gutes Zeichen und werde dazu führen, dass wir Erfolg hätten...
Interessante Idee. 
Wir haben den Vortrag gehalten.
Den Wettbewerb gewonnen wegen "Kreativität und unglaublichem Engagement".  Es sieht aus, als habe der Bekannte damals Recht gehabt...
Und wahrscheinlich ist dies eine Erfolgsgeschichte und ich sollte stolz darauf sein... Aber wenn ich Nachts nicht schlafen kann vor Angst... Dann frage ich mich, ob es mir besser ginge - gänzlich unkreativ... 

Supergirls don't cry! Aber manchmal weinen sie! Sie schluchzen und müssen auch ins Tal der Tränen! Denn da muss man manchmal hin, damit das für die alte Seele auch erträglich ist! Es ist wie ein Hamam, danach kommt man butterweich und gefestigt zurück.