##CC Von Männern mit ohne Hose...

 

Meine Mutter war Feministin. Also jetzt nicht soooo extrem, dass sie „“jederfrau“ gesagt oder mich gezwungen hätte die Reden von Alice Schwarzer auswendig zu lernen, aber es war ihr sehr sehr wichtig mir die Gleichberechtigung zu vermitten und so ist mir die Scheu vor mir unbekannten Männern fremd. Ich bin erwachsen, die sind erwachsen, ich bin glücklich verheiratet und meiner Haut wehren kann ich mich notfalls auch.

 

Keine Komplikationen zu befürchten, richtig?

 

 

Drei Tage Seminar. Die ständige Pendelei nervt, also nehme ich mir ein Bett im Hostel. Der große „Mädchenschlafsaal“ ist belegt, nur noch Platz im Dreibettzimmer frei. Drei Stunden nach Hause, morgen drei Stunden her, weil keine Geschlechtertrennung im Schlafsaal? Lächerlich!!! Wir sind hier doch nicht im Mittelalter, Frauen sind auch in gemischten Zimmern kein Freiwild, weiß doch jeder!!! Alles außer einem Doppelzimmer mit wildfremdem Mann kommt infrage.

 

 

 

Ich nahm also das Bett im Dreibettzimmer, in der ersten Nacht war ich dort komplett allein.

 

Na also.

 

 

Am Abend des zweiten Tages kommt ein Mann zur Tür herein. Stottert fast ein wenig rum, Ähm, er und ich, in einem Zimmer..., Ähm, also, es sei nichts anders frei... Ähm, also... Ob mir das Recht sei?

 

Nun war es eigentlich DAS, was ich NICHT wollte, aber kann der Typ was dafür?

 

- Eben.

 

Dies ist schließlich nicht mein privates Zimmer, dass hier nicht noch jemand drittes schläft nicht seine Schuld!! Was sage ich also als netter Zimmergenosse?

 

- Genau.

 

Ich sage „Klar, komm rein, mach es Dir gemütlich...“

 

Er sei nicht so der Hostel-Kenner, macht er weiter, nur zufällig hier gestrandet, kein Hotelzimmer frei... Ähm... wie das denn alles so laufe, ob ich ihm alles erklären könne, bitte?

 

Sicher doch.

 

Ich zeige ihm also Spind und Doppelstockbetten, Duschen und Küche, er fragt ob ich schon gegessen habe, ich sage „Nein“, also holen wir uns Pizza. Er erzählt von seiner Frau (große Liebe), seinem Sohn, Haus, Garten, Job, Hobbys usw.

 

Und da er fragt, erzähle ich auch. Von meinem Mann (große Liebe), Krebs und Job, Zukunft und Vergangenheit, Hobbys und Pläne.

 

...So vergeht der restliche Abend... Ich finde es hat Jugendherbergscharakter. Er sagt in dieser Zeit vielleicht einmal zu häufig, wie froh er sei, so eine nette Zimmergenossin zu haben, aber Hey, er kam hier ganz aufgeschmissen an, es gab praktisch kein freies Bett in der ganzen Stadt mehr, jetzt haben wir es uns hier gemütlich gemacht, da ist man halt erleichert...

 

 

 

Ihr ahnt es längst, daher kürze ich ab: Mein Versuch nett, freundlich und aufgeschlossen zu sein, endete damit, dass ich einem nackten Mann erklären durfte, dass ich ihm weder den Rücken noch sonst irgendwas kraulen werde, sondern jetzt ins Bett gehe. Mein Bett. Allein.

 

 

 

Und ich frage mich, was ich hätte anders machen sollen?

 

Ihn beim Reinkommen mit „No Sex!!!!!“ begrüßen?

 

Auf seine Frage, ob er mich störe „JA, verschwinde!!!“ brüllen?

 

Die ganze Zeit penetrant schweigen?

 

„Ich will meine Pizza aber ohne Dich essen!“ sagen?

 

Auf Fragen nach mir und meinem Leben „Sag ich nicht“ antworten?

 

 

 

Alles irgendwie nicht und so bin ich echt ratlos. Ich war nett und freundlich.

Das bin ich nämlich manchmal.

 

Es kann doch wohl nicht wahr sein, dass ich zukünftig alle Männer mit vorauseilender Unfreundlichkeit behandle, nur um ausgewählte Idioten dazu zu bringen ihre Unterhose anzubehalten???!!!!! Ich meine, jedermann würde mich dann doch (aus gutem Grund) für komplett bescheuert halten!!! Und davon, dass mir eine Menge netter und interessanter Begegnungen entgeht, wenn ich ~ 50% der Weltbevölkerung so behandle, darf ich jawohl auch ausgehen.

 

 

 

Ich habe keine Idee und keinen klugen Rat. Aber halt: Ich weiß was meine Mutter gesagt hätte: „MÄNNER!!!“

 

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