#55 Endlich Reha

Erinnerungen bleiben, sie bleiben für immer. Sie zeigen uns nicht wie es gerade ist, sie zeigen uns nur wie es einmal war und nie wieder sein wird. (Unbekannt)

Ich kam wieder aus Sylt nach München und startete meinen Terminmarathon. Entspannung hatte ich in München kaum. Wegen der Wunde war ich zwischenzeitlich auch bei der Akupunktur.
Lymphdrainage, Krankengymnastik, Hömopathie, Sport und sonstige Arzttermine kamen hinzu. Puh 😅.

Ich bin noch vier Wochen krank geschrieben. Danach plane ich die Wiedereingliederung in meine alte Abteilung. Es ist alles organisiert. Schritt für Schritt. Sollte ich in der Wiedereingliederung mehr Zeit brauchen, kann ich das jederzeit ändern.

Kommenden Dienstag geht es endlich auf Reha. Dort gibt es ein eigenes Wundmanagement, falls ich Schmerzen oder Schwellungen bekommen sollte. Die Wunde ist noch immer offen. Sie wird besser, rosiger. Bin gespannt, wann sie zugeht.

Ich freue mich auf die Rehabilitation. Ehrlich. Ich habe Lust dazu. Was erwarte ich speziell?
Dass die Wunde final heilt. Dass ich topfit werde. Dass ich viel lerne. Dass ich vertraue und gestärkt in mein neues Leben gehe. Dass ich mich erhole und einen leichteren Weg zurück finde. Normalität erwarte ich. Die Rehaklinik liegt mitten in den Bergen, nicht weit von Österreich. Ich freue mich auch darauf leichte Wanderwege zu gehen und hoffe den einen oder anderen Gipfel zu erstürmen.

Ich war wieder bei JUKK sowie beim BRCA-Netzwerk. Der Austausch mit Betroffenen ist immens hilfreich. Ich erfahre neue Möglichkeiten und Perspektiven. Ich finde Halt und Verständnis.
Aufgrund eines Gesprächs im Netzwerk entschloss ich mich eine kleine Weiterbildung zu machen. Diese nennt sich Diplompatientin und findet im Herbst in Augsburg statt. Dabei lerne ich Neues über Brustkrebs und erfahre auch, wie ich anderen Betroffenen beistehen kann. Das Projekt hat mich neugierig gemacht.

Die Angst ist schon etwas Eigenartiges. Manchmal schützt sie uns Dummes zu begehen, ein anderes Mal hemmt sie uns weiterzugehen.
Da ist die Angst zu sterben, obwohl wir das alle eines Tages tun. Es ist Angst vor jeder Nachsorge. Es ist Angst, nicht gut genug zu sein. Es ist Angst, nicht schön zu sein. Es ist Angst zu versagen oder gar stehen zu bleiben. Einfach inne halten.

Das Gegenteil, der Mut ist auch präsent.
Der Mut, meinen Weg zu gehen. Der Mut, ein glückliches Leben aufzubauen. Der Mut, mich selbst zu lieben. Der Mut, Nähe zuzulassen. Der Mut, ja und nein zu sagen.
Der Mut, der Angst in die Augen zu blicken. Der Mut loszulassen. Einfach leben.

Dann kommt die Dankbarkeit ins Spiel. Für die glücklichen Momente. Dankbar für meine Freunde. Verbundenheit, Familienbilder. Umarmen. Glauben. Küssen. Beten. Danke sagen. 
Sich trauen. Lieben. Genießen. Einfach sein.

Jetzt bin ich in Berlin. Heute geht es zu einer tollen Hochzeit. Ich habe mir nach meiner Ankunft ein Fahrrad geschnappt. Als Halbberlinerin fühle ich mich echt verbunden mit dem deutschen New York. Bin fröhlich geradelt durch die bunte Stadt. Das ist ein buntes Berlin, eben. Voller Leben. So viele junge und alte Menschen. Like!

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Sabine (Samstag, 22 Juli 2017 14:39)

    Outfit wie besprochen? ;) Eine ganz tolle Zeit wünsche ich dir! ���☀️

  • #2

    Conrad (Donnerstag, 10 August 2017 07:34)

    It's so great to see the steps to recovery especially having read from the beginning. You ok fantastic and I can see the strength growing in you with every post.....�

Supergirls don't cry! Aber manchmal weinen sie! Sie schluchzen und müssen auch ins Tal der Tränen! Denn da muss man manchmal hin, damit das für die alte Seele auch erträglich ist! Es ist wie ein Hamam, danach kommt man butterweich und gefestigt zurück.