# 56 Blaue Quelle

Ich bin gut in der Reha angekommen. Die Natur ringsherum bietet unglaubliche Schauspiele. Da haben wir einen Bach mit Gumpen, in denen Klein und Gross baden können. Umgeben ist dieser Bach mit Wald und Wiese. Sattes Grün. Dann diese Berge. Zahmer Kaiser, wilder Kaiser etc..

Ein Dorf folgt dem anderen und ganz versteckt befindet sich ein kleines Paradies Erde.
Das ist die Blaue Quelle.
Es ist ein besonderer Kraftplatz, ein Naturdenkmal. Diese Quelle ist in Privatbesitz und liegt versteckt hinter einem Gasthof in Erl, einem kleinen Ort in Österreich. So schön blau, klar und einfach magisch. Ein jeder möchte dort seine Seele baumeln lassen. Manchmal kommen Menschen vorbei um von diesem Zauberwasser zu trinken.

Bei meiner Ankunft Ende Juli war die Reha überbucht, statt 60 Plätze waren 90 Plätze vergeben. Ich war nervös. Erst dachte ich, oh nein - nicht schon wieder Krankenhaus, wo ich das Zimmer betrat. Das entspannte sich jedoch schnell.

Die Klinik ist die älteste deutsche onkologische Rehaklinik. Es gibt Rehabetten, Palliativbetten und auch eine Tagesklinik. Zudem werden Chemotherapie, Bestrahlung, CT, MRT und Hyperthermie angeboten. Behandelt werden alle Krebsarten.

Ich wurde einem sehr netten Tisch zugewiesen und lebte mich gut ein. Die derzeit jüngste Rehabilitantin ist 28 Jahre alt, die Älteste 94 Jahre.
Mir gefällt es, dass es eine gemischte Kur ist. Mann wie Frau, alt und jung. Viele nette Menschen, schöne Gespräche, Lachen, Humor.             

Es gab schon einen abendlichen Ausflug nach Kufstein in die größte Ginbar der Welt. Inmitten der Kufsteiner Altstadt in einem einstigen Stollen gelegen. Meine Tischgenossin und ich waren zudem im Bierzelt am Sportplatz und im Nachbarort shoppen. Am meisten mag ich die abendlichen Spaziergänge am Wasser. 

Das Essen ist lecker und deftig, es erinnert mich an die gute Hausmannskost meiner Großeltern. Ich erhole mich, entspanne und bereite mich vor auf die Wiedereingliederung.

Die Sportprogramme sind abwechslungsreich und in verschiedene Stufen eingeteilt. Einmal die Woche ist Visite. Dann wird besprochen, wie ich mich fühle oder ob ich etwas an meinem Plan ändern möchte. Ich habe eine Verlängerung meines Aufenthalts bekommen und darf vier Tage länger bleiben. Ab Montag gibt es auf eigenen Wunsch noch mehr Sport.

Ab und an kommen auch andere Gedanken auf. Vom Sozialdienst wurde ich auf meine Patientenvollmacht und Patientenverfügung angesprochen. Beim dritten Termin habe ich mich endlich dazu bereit erklärt diese auszufüllen. Ja, es war besprochen. Ja, ich wollte es seit Monaten tun. Ich weiß, ich kann es jederzeit ändern. Auf jeden Fall ist es erstmal erledigt. Nur das Testament halt nicht. Noch nicht...

Ich habe heute erfahren, dass eine mir bekannte Krebskriegerin im Sterben liegt. Im Juli haben wir noch geschrieben, dass wir uns nach der Reha wiedersehen. Jetzt ist sie im Hospiz. Es kann doch schnell gehen. Scheiss Krankheit.

Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Auch ich bin überfordert und ringe nach Worten.
In meiner Klinik gibt es eine Kapelle, Seelsorger und einen Raum der Stille. Dort bin ich hin, in den Raum der Stille. Ich wollte allein sein. Allein mit mir und meiner Traurigkeit.
 
Ich habe mir ein Buch vom Leben und Sterben genommen um mehr zu verstehen. In der Hoffnung die Angst vor dem Tod zu verlieren um endlich richtig zu leben. Ich habe der Kriegerin liebevolle Zeilen geschrieben, vielleicht liest sie es. Meine Gedanken sind bei dieser jungen Frau und ihrer Familie.

Für die Welt bist du irgendjemand, aber für irgendjemand bist du die Welt! (Unbekannt)

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Kommentare: 5
  • #1

    Susanita (Freitag, 04 August 2017 21:02)

    Meine Liebe, ich wünsche Dir eine gute Zeit in der Reha, auf dass Du Kraft tanken und viel Mut für die Zukunft schöpfen kannst! !!

  • #2

    Markus (Sonntag, 06 August 2017 13:53)

    Was zum Thema "Sterben" hilft ist immer wieder die Frage: ist dieses Problem/Konflikt noch wichtig, wenn ich wüsste, dass ich morgen sterbe... in meiner Erfahrung erledigen sich dann viele Probleme, die uns unser Ego präsentiert...

  • #3

    Debbie (Montag, 07 August 2017 14:04)

    Ach ist das ein schöner Fleck Erde. Meine Reha hat mich sehr verändert und mir noch für Monate neue Kraft gegeben, ich hoffe das geht Dir auch so. Ich finde so eine Reha ist wichtig als Übergang zwischen dem "Stillstand" und dem Zeitpunkt, wo das Leben wieder Fahrt aufnimmt. Der Sport hat mir damals sehr viel Mut gegeben, meinem Körper wieder Leistung zutrauen zu können.
    Genieß die Zeit und denk dran, dass Du 1 Jahr nach dem Ganzen nochmal eine Reha beantragen kannst. Ich habe es nochmal gemacht und die Auszeit vom Berufsleben war zwar nicht leicht, aber war mindestens genau so wichtig wie die erste Reha.

  • #4

    Conrad (Donnerstag, 10 August 2017 07:41)

    Hope you were able to gain what you needed dear, a really hard really hits sometimes like your friend in hospice.
    Hope to chat soon about the job and how that's going

  • #5

    der Bräutigam (Freitag, 11 August 2017 12:16)

    Die blaue Quelle, wunderbare Natur.
    Jeder sollte seine blaue Quelle in sich tragen und regelmäßig zum aufladen nutzen.
    Von Herzen alles gute Eulchen