#67 Sorgenkind

Die erste Baustelle Bestrahlung, das ist doch keine Große, dachte ich mir. Nach fünf Bestrahlungen war ich zufrieden. Ich machte Bewegung, arbeitete voll und ging täglich zu den Terminen.
Es lief gut trotz meines straffen Zeitplans.
Bis ich plötzlich umfiel, nachts in Ohnmacht, einfach so. 
Ich kam zu mir, wo ich am Boden lag. Weiß nicht, wie lang ich dort lag.
Der Finger war gequetscht, der Kopf dröhnte. Auf allen Vieren kroch ich zurück in mein Bett. Puh.
Am nächsten Tag ging ich gleich zum Hausarzt. Krankmeldung wegen Kollaps. Bei der Bestrahlung war plötzlich sichtbar, dass die Brust entzündet war. Rot, dick und geschwollen. Schmerzte. Das Fachwort dafür heißt Mastitis. Nach der Bestrahlung fuhr ich ins Krankenhaus. Der Operateur sollte drauf schauen. Es war eine Infektion. Antibiotika. Entzündungswerte im Blut. Wundwasser punktieren.
  
Die Infektion erklärte die Ohnmacht. Der Körper war geschwächt.
Die Bestrahlung wurde ausgesetzt. Vier Tage später Wiedervorstellung in der Klinik. Wiederaufnahme Bestrahlung. 
Wieder Wundwasser ziehen.
Alles lief gut. Das hochdosierte Antibiotikum wirkte, noch zwei weitere Punktionen folgten. Ausruhen, schlafen, Entwarnung. Weniger rot, weniger geschwollen. Besserung.

Ich bin wieder in der Arbeit, versuche wachsam mit meinem Körper zu sein. Die Hälfte der Bestrahlung ist geschafft. Noch drei Wochen durchhalten. Bin etwas vergesslich, sonst merken Fremde nichts.
Außer dass ich ständig bei Terminen bin.
Meistens nutze ich die Mittagspause für die Bestrahlung, wenn ich gut durchkomme, schaffe ich alles in einer Stunde.
Die Bestrahlung selbst dauert nur ein paar Minuten. Ich habe Markierungen an Brust und Bauch, die immer wieder für dieselbe Lage meinen Körpers genutzt werden. Das Gerät kreist dann von links nach rechts während ich auf dem Rücken liege und die Arme über den Kopf halte. Während dieser Zeit darf ich atmen, mich jedoch sonst nicht bewegen. Das Personal in der Strahlenpraxis ist supernett und ich fühle mich dort gut betreut. Die Therapie muss mindestens vier Mal die Woche stattfinden.

Ich selbst fühle mich als Mensch verletzlicher. Mache viel Yoga und Nordic Walking. An den Wochenenden fahre ich in die Berge zum leichten Wandern. Berlin habe ich aufschieben müssen, hatte Flugverbot mit der Brust. 

Im November stehen jedoch einige Kurztrips an. Ich freue mich auf gute Gespräche mit tollen Menschen! Genießt den goldenen Herbst und fühlt Euch umarmt. Ich entscheide mich jetzt für die Transformation vom Sorgenkind zum Sonnenkind.

Das Leben ist wie ein Fahrrad. Man muss sich vorwärts bewegen um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. (Albert Einstein)

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Kommentare: 1
  • #1

    Conrad (Freitag, 19 Oktober 2018 00:35)

    Beautiful, keep strong and take it easy, don't push so much and relax as much as possible. Know you'll be good.

Supergirls don't cry! Aber manchmal weinen sie! Sie schluchzen und müssen auch ins Tal der Tränen! Denn da muss man manchmal hin, damit das für die alte Seele auch erträglich ist! Es ist wie ein Hamam, danach kommt man butterweich und gefestigt zurück.