#68 Manchmal mehr

Manchmal möchte ich größer sein, manchmal kleiner. Manchmal will ich gesehen werden, ein anderes Mal lieber unsichtbar bleiben.
Manchmal will ich einfach so sein , wie ich als Kind war. Das zarte Ich, dass beschützt und umsorgt werden will oder auch die kleine Raubkatze mit ihrem wilden Charakter.
Das Leben ist kein Wunschkonzert. Ich bin so, wie ich bin und das ist gut so.

Meine Mutter war zu Besuch, wir machten einen Ausflug nach Kitzbühel. Ich bin in der letzten Woche der Strahlentherapie. Noch einmal, dann sind 28 Mal geschafft. Check.

Die Brust ist mittlerweile ziemlich gerötet, ich creme viel. Sieht aus, wie bei einem Sonnenbrand. Sonst klappt alles besser, nur dass das Nervenkostüm nicht ganz gefestigt ist. Ab und an ist mir übel und ich bin vergesslich. Posttraumatischer Stress soll das sein.

Ich fühle mich etwas unausgeschlafen. Auf jeden Fall nicht so ganz bei mir. Die Tage sind voll gepackt mit Terminen. In der Arbeit ist viel zu tun. Ich habe zusätzliche Aufgaben bekommen.

Nach der Bestrahlung stehen wieder Arzttermine an. Die Chemotherapie wird besprochen, ich stelle mich nochmals in der Klinik vor (Routine). Bis es Ende des Monats mit den Pillen 💊 losgeht, fahre ich noch nach Frankfurt und Köln Schulfreundinnen besuchen.
Am 11. Dezember gehts auf Rehabilitation. Dann bin ich schon in der Chemo. Acht Zyklen in sechs Monaten. 

Ich war in Berlin, durfte Pauline und meine Schwester sehen und meine Freundin Bine. Wir waren auf dem Fest der Toten, „El Dia de los Muertos“ 💐- ein mexikanisches Ritual. In Kreuzberg selbst hat ein Verein einen wunderschönen Altar mit vielen Blumen gebaut und ein fantastisches Theaterstück vorbereitet. Es hat so einen Spaß gemacht. Wir sollten unsere Verstorbenen viel mehr schätzen. Jedes Jahr um Allerheiligen kommen die Toten für einige Stunden zu den Lebenden, heißt es. Dann feiern beide Welten aus Freude gemeinsam ein Fest, tanzen und singen und fühlen sich so miteinander verbunden. Wie es wohl meinen Verstorbenen geht? Papa, der pinken Pusteblume, meiner Uroma...? Das Fest hat mich berührt, inspiriert. Es war schön und ich danke Bine für dieses gemeinsame Erlebnis.

Lebensfreude ist die beste Kosmetik. (Unbekannt)


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Kommentare: 1
  • #1

    Conrad (Freitag, 09 November 2018 06:27)

    Such a great light to see, you're an inspiration to so many. Keep the story alive and look forward to December.

Supergirls don't cry! Aber manchmal weinen sie! Sie schluchzen und müssen auch ins Tal der Tränen! Denn da muss man manchmal hin, damit das für die alte Seele auch erträglich ist! Es ist wie ein Hamam, danach kommt man butterweich und gefestigt zurück.