#69 Begegnungen

„Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ (Theodor W. Adorno)

Adorno fordert auf, stets den Sinn für das Richtige zu suchen. Irgendwie erklärt dieser Satz auch meinen Weg. Ich bin immerzu auf der Suche, eine Wanderin. Ich suche die Wahrheit, die Inspiration, die Liebe und das Leben. Meine Städtetrips verliefen gut, sie waren voller Erlebnisse. 

Zuvor hatte ich noch in meiner Klinik am Stand mitgearbeitet. Es gab einen Patiententag und ich bin dem einen oder anderen bekannten Gesicht begegnet. An dem Tag habe ich mich entschieden Enantone zu beginnen. Eine Monatsspritze, die mich unverzüglich in die Wechseljahre bringt. Ich mache das um die jetzige Fruchtbarkeit trotz der bevorstehenden Chemotherapie zu erhalten. Ich wurde gewarnt, dass einige Nebenwirkungen damit einher gehen können.

Die letzten zwei Tage in Köln könnte ich mich kaum bewegen, mir war als wäre die Schulter ausgekugelt und die Rippe gebrochen. Ich war wieder beim Arzt und zwei Mal beim Ultraschall. In meinem Fall wird dann doch genauer gesucht.

Ich bekomme Schweißattacken und Schwindel und dann frage ich mich, ist es das wert? Doch für den Fall, dass ich Kinder kriegen kann, ist es das wert. Und für mich ist das einer der größten Wünsche, eine eigene Familie zu gründen. Sechs Monate Chemotherapie, sechs Monate Enantone.

Die Bestrahlung ist nun zwei Wochen bald her. Die Rötung ist etwas zurück gegangen. Dennoch sichtbar. Die Haut noch geschwollen. Anfang Dezember gibt es einen Check bei meinem Radiologen. Nachsorge nach Strahlentherapie.

Bis zuletzt hatte ich noch gehofft in eine Studie in der Klinik zu kommen. Ich habe sogar außerhalb München die Augen geöffnet. Ich bin irgendwie traurig, dass es nicht geklappt hat. Mein Fall mit dem Rezidiv ist so einzigartig, dass ich zwar gerne in einer Konferenz als besonderer Fall vorgestellt werde, aber eben ein Sonderfall bleibe. Die genetische Komponente ist nicht eindeutig genug, die Sache mit dem Rezidiv nicht erklärbar...

Ich merke dass ich vorangehen will. Ich weiß nicht, wie die nächsten sechs Monate sich gestalten. Genauso wenig weiß ich, was heute ist. Mit dieser Geschichte habe ich gelernt, dass ich im Hier und Jetzt leben muss. Jeden Tag, im Hier und Jetzt sein.

Meine Stimmung ist zur Zeit bedrückend, mein Leben besteht aus drei Leben. Dem Berufsleben, dem Privatleben und dem Leben in Therapie. Und seit nun vier Monaten ist es wirklich anstrengend. Für die Psyche als auch den Körper. Nicht ohne Grund mache ich eine Reha. Ab 11.12. ist es soweit und ich hoffe für vier Wochen.

Wahrscheinlich ist jetzt der Moment gekommen, wo ich mich etwas zurückziehen werde. Reflektiere und über mein Leben philosophiere. Ich hab ja nur das Eine.

Was ich will und was ich nicht will.

Wer ich bin und wer ich nicht bin.

Wie ich lebe und vor allem wo.

Und all das, was ich sein will.

Ich fahre gleich nach München zurück. Allen Weggefährten, denen ich in den letzten Tagen begegnet bin, möchte ich auf diesem Weg Danke sagen. Für eure Zeit & die Gespräche. Sicherlich wird das Eine oder Andere noch in mir nachwirken. Allen anderen eine schöne restlich Woche, es grüßt euch das Eulchen.


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Kommentare: 1
  • #1

    Conrad (Mittwoch, 21 November 2018 09:15)

    Dearest lady, so beautiful are your words. Though tough times are coming we'll walk them together. Walk strong and look forward to December. �