#73 Dunkelheit

Der dritte Zyklus ist vorüber, ich fing an auszumisten, Dinge zurückzugeben. Ständig war ich bei der Post!
 
Nachdem das erledigt war, bemerkte ich eine Transformation. Unruhe. Dunkle Gedanken.
Da waren Gefühle, die ich so nicht kannte.
Tief in mir. Immer mehr davon kamen zum Vorschein. Erinnerungen. Menschen, die nicht mehr in meinem Leben waren. Freunde und Familie, die nicht mehr unter uns weilten. 
Ich fing an zu prüfen, was fehlte.

Daraufhin kam die Angst. Wie eine große dunkle Wolke umgab sie mich. Begleitet von ihrer Freundin, der Traurigkeit. Der Lebensschmerz in mir schlüpfte hervor. Größer wurde er. Krokodilstränen waren an der Tagesordnung. Sie kullerten über meine Wangen. Ständig. Stundenlang. Ich stand auf und konnte nichts dagegen tun. Ich saß beim Frühstück und das Wasser lief.
Ich telefonierte und weinte. Ich sah einen Film und schluchzte. Ich wollte schlafen und war traurig. 

Ich begann die schwache Seite zu zeigen. Vorbei war es mit Stärke und positiven Aktionismus.

Es dauerte an. Tagelang. Es ist immer noch da.

Diese depressiven Phasen sind schwierig für mich und neu. Genau wie die Angst. Vor zwei Jahren war die Angst auch schon da, nur ist sie jetzt tiefer und dunkler in mir drin.
Langsam verstehe ich das Damokleschwert, von dem andere immerzu reden.

Meine Ärzte sind beunruhigt bezüglich meiner Psyche. Sie bitten mich durchzuhalten und positiv zu bleiben. 
Kennen mich so nicht. Ich bin es auch. Besorgt und wachsam. Ich befinde mich in Alarmbereitschaft.

Ich hoffe, dass es nur Nebenwirkungen sind und diese mit Ende der Therapie in einem Monat vorübergehen. 

Ich war im Kino und versuche Menschen zu sehen, die ich gut und lange kenne.
Dann lachen wir und es scheint besser. Für den Moment - bis der Himmel wieder grau wird. 

Mache weiterhin Sport. Esse bei Frust.

War heute nach langer Zeit im Fitnessstudio tanzen. Aber irgendwie habe ich nichts gefühlt. Ich warte ab. Aufs Glück? Ja auf Glücksgefühle.

Die Chemo ist weiter reduziert worden auf 65 Prozent aufgrund der Blutwerte.
Die Übelkeit 🤢 bleibt, die Verstopfung auch sowie die Ödeme als Begleiterscheinungen. Will nicht jammern. Alles erträglich.

Nach wie vor ist der Berufsalltag bei mir möglich.
Ich bin etwas länger zu Hause nach der Therapie, gehe jetzt Tag 5 zum Arbeiten.

Bin wöchentlich bei der Akupunktur. 
Mache Fußbad mit Kräutern und eine TCM Kur fürs Blut.
Mein Onkologe ist beunruhigt wegen der niedrigen Thrombos. Wenn die Blutplättchen weiter sinken, kann es zu inneren Blutungen kommen. Ende Februar schauen wir die Organe wieder via Ultraschall all.

Ich habe die 🙀Angst näher betrachtet. 
So ängstige ich mich vor einem weiteren Rückfall. Dann ist die Angst vor Metastasen. 
Ich habe Angst meine Arbeit zu verlieren.
Nun bin ich besorgt, dass die Wohnung gekündigt wird.
Ich habe Angst vorm Leben, Angst zu vertrauen und zu lieben. Angst verletzt zu werden und Panik vor weiteren Verlusten.
                 
Es ist nur noch ein Zyklus.
Noch zwei mal Therapie. Dann fertig. Dann Meer. 

Gestern hat mich eine Freundin überrascht, zum Valentinstag ausgeführt. Das war toll 😊 und besonders schön war meine Rose 🌹. Dankeschön 🥰

Vielleicht könntet Ihr mir sagen, was Euch Freude macht. Was Ihr tut, wenn Ihr in der Dunkelheit seid. Das wäre eine tolle Idee 💡 und ich kann von Euch lernen. Merci.

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Kommentare: 2
  • #1

    Conrad (Samstag, 16 Februar 2019 07:27)

    Love you Sue...

  • #2

    Dirk (Donnerstag, 07 März 2019 19:24)

    Ich gehe mit meinen Hund Claire spatzieren. Versuche unter Leuten zu kommen oder fahre mit meinen Motorad etwas rum. Habsache nicht grübeln. Auch wenn es nicht immer klappt.
    Liebe Grüsse Dein
    Dirk