#74 Dann Meer

Brave Mädchen kommen in den Himmel, Böse Mädchen überall hin...

Habt Ihr Karneval gefeiert? Die närrische Zeit liebte ich schon immer. Ich war zwei Stunden eine Nonne heuer und habe fleissig Krapfen vertilgt.

Es ist mein letztes Mal. Der vierte Zyklus ist endgültig geschafft. Fast. Gleich. Fertig. Diese letzten Therapietage sind immer sehr emotional. Einer hört auf, ein anderer beginnt.

Ich habe gestern die Bekanntschaft mit einer Autorin gemacht, das war extrem spannend. Sie schreibt tolle Jugendbücher und mitreißende Thriller. Ihr größter Wunsch ist es, in zwei Jahren in Boston ihren Geburtstag mit all Ihren Lieben zu feiern. Ich wünsche ihr, dass dieser Wunsch Wirklichkeit wird. 
Jede Geschichte ist anders, jeder findet seinen Weg. 

Ich bin ja Fan von Projekten und vom ewigen Lernen. Derzeit widme ich mich wieder Weiterbildungen, wo ich mein kleines Patientenwissen aufbessern kann. Im Sommer gehe ich wiederholt auf einen Ärztekongress, 
die größte Tagung für Brustkrebs in Deutschland.

Zur Zeit besuche ich eine dreitägige Weiterbildung zum Thema Resilienz. Hier geht es darum, wie ich nach jeder Niederlage wieder aufstehe und lerne Gutes aus Misthaufen mitzunehmen. Ich lerne also, wie ich Dünger mache. Zum anderen wird mir auch beigebracht, genau darauf zu hören, was ich will. 
Eher psychologisch betrachtet,
was sagt der Kopf und was der Bauch? Wie vereine ich beides und schaffe es gute Entscheidungen zu treffen. 

Zurück zur Ausgangslage:
Es geht ums Durchkommen. Die Baustelle ist wieder größer geworden. Seit zwei Wochen nehmen meine Schmerzen zu. Ich habe mittlerweile sechs neue Ödeme, drei davon in der rechten Brust, zwei in der Achsel und eins am rechten Oberarm. Die Schmerzen nehmen kontinuierlich zu. Ich schlafe nicht. Liege nachts wach. Novalgin, Antibiotika. Normale Schmerzmittel helfen nicht. Fühlt sich an wie nach der Mastektomie / meiner ersten großen Brustop.

Derzeit wird geschaut, wie wir das wieder in den Griff kriegen. Schmerzen und Ödeme. 
Das Gute, daran stirbt man nicht.

Dennoch - die letzte Chemo ist drin, würde wieder reduziert wg. der Wassereinlagerungen. 
Nach einem Besuch bei einer Lymphärztin besorge ich mir heute  weitere Kompressionsbegleitung. Lymph BH, Strümpfe für die rechte Seite. Links habe ich schon, das ich dort bereits ein Lymyphödem nach der ersten Brustop bekommen habe. Ich bin auch schon seit zwei Jahren wöchentlich bei der Lymphdrainage in einer mir sehr lieben Physiotherapie.

Diese neue Kompression soll die Lymphen entstauben und den Abfluss bessern.
Unser Lymphsystem ist das Abfallsystem des Körpers und daher zur Zeit etwas überfordert. Verständlich nachdem, was ich mir alles einwerfe.  

In zwei Tagen Meer. Blut ist gut, so gut wie lange nicht. Freu mich aufs Schiff. Es war richtig, als Belohnung. Einfach nur Meer.
Ob ich diesmal Delfine sehe? Wäre ein großer Wunsch von mir. 

Die Psyche ist besser. Nur das Gefühl eine alte Frau zu sein, hat zugenommen, liegt aber sicher auch an den Schmerzen und den Wechseljahren.
Ich kann keinen Sport mehr machen, solange ich körperlich eingeschränkt bin. Es ist die dritte Woche ohne Bewegung.

Im April geht es zur Reha. Nachdem es etwas Diskussion mit der Rentenversicherung gab, ist nun alles eingefädelt.
Ich fahre Richtung Ravensburg für drei bis vier Wochen nach Bad Waldsee. Da werde ich aufgepäppelt. Rehazeit ist schöne Zeit!

Und sonst? Ist die Behandlung jetzt durch. Im August war die Op, dann kam die Woche Sylt - im Anschluss 28 Bestrahlungen - ein WE in Berlin und nun waren drei Monate Polychemotherapie am Start - gefolgt von einer Woche Meer mit meiner Mama. 

Zweite Runde ist geschafft. Die Nachsorge wird neu eingestellt. Diese hat sich im Vergleich zum ersten Mal intensiviert. Ich besuche ab Mai ein Zentrum für familiären Brustkrebs, wo ich MRT, Mammographie (ich schwöre darauf, trotz Silikon) haben werde. In diesem Zentrum werde ich fortan betreut bis zu meinem 50. Lebensjahr. 
Mit 45 entfolgt noch die Ovarektomie, die Entfernung meiner Eierstöcke. Präventiv gg. Eierstockkrebs. 

Mein Onkologe wird mich weiterhin eng begleiten, auch ihn sehe ich nun aller viertel Jahre. 

Ich fühle mich etwas erleichtert, dass ich das letzte dreiviertel Jahr geschafft habe. Mein Privatleben ist sehr viel kleiner geworden, da ich mit Therapie und Arbeit sehr beschäftigt war. Sicherlich auch, da es keine leichte Zeit ist und ich in in dieser Zeit auch nicht easy bin.
Das tut mir auch leid, da ich so Kontakte nicht gut pflegen konnte. Drei Leben in einem sind eins zu viel. 

Ich wünsche Euch schöne Märztage!!
Die ersten Frühlingsboten sind schon zu Besuch.

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Eva (Freitag, 08 März 2019 09:20)

    Congratulations, geschafft! Du bist so tapfer meine Liebe. Lass es dir gut gehen auf dem Meer!

  • #2

    Nina (Freitag, 08 März 2019 10:55)

    Long way done. Sei umarmt

  • #3

    Susanita (Freitag, 08 März 2019 21:55)

    Genieße das Meer!!!

  • #4

    Conrad (Sonntag, 10 März 2019 18:55)

    Enjoy the trip and thinking of you